Schimon Peres war 25 Jahre älter als der Staat Israel und seine Lebensgeschichte ist mit diesem Staat und dem öffentlichen Dienst untrennbar verbunden. Er schaute immer nach vorne. Allen Tiefen und Höhen, durch die er und der Staat Israel gegangen sind zum Trotz, blieb er immer optimistisch. So forderte er auch seine Mitbürger ständig zu Optimismus auf: „Israel ist der Beweis dafür, dass das Unmögliche möglich wurde“.

Im Laufe seines Lebens arbeitete er unermüdlich für Israels Sicherheit und Entwicklung, vor allem im technologischen Bereich, und bemühte sich stets um Frieden mit den Nachbarn des jüdischen Staates. Bei seinen neunzigsten Geburtstag vor drei Jahren trat ein zehnjähriger palästinensischer Junge auf die Bühne und gratulierte ihm auf Arabisch. Er war ein Kind, das mit einem Herzfehler geboren und mit Unterstützung des Peres Friedenszentrums von israelischen Ärzten erfolgreich operiert worden war.

Bei derselben Gelegenheit äußerte der ehemalige amerikanische Präsident Bill Clinton seine Bewunderung dafür, dass selbst ein politischer Gegner wie Benjamin Netanjahu für Schimon Peres hochachtungsvolle Worte fand. Netanjahu hatte vor allem Peres Entscheidung für die Operation Entebbe gewürdigt, bei der mit einem Flugzeug entführte Israelis gerettet worden waren. Bei dieser Operation wurde Netanjahus Bruder Joni getötet. Peres hatte bei der Beerdigung eine Rede gehalten, für die sich Netanjahu bis heute dankbar zeigt. Clinton bemerkte, dass es in den USA nicht möglich wäre, über einen politischen Gegner aus einer anderen Partei etwas ähnlich Gutes zu sagen.

Auch die amerikanisch-jüdische Sängerin und Schauspielerin Barbara Streisand war zum 90. Geburtstag Peres‘ gekommen und hatte auf seine ausdrückliche Bitte dem damaligen Staatspräsidenten erstmals in der Öffentlichkeit ein jüdisches Gebet, „Avinu Malkeinu“ – „Unser Vater, unser König“ – gesungen. Peres kommentierte danach, das sei eine Stimme vom Himmel gewesen und betonte besonders die Bitte um Vergebung unserer Sünden vor Gott.

Immer wieder wurde Schimon Peres gefragt, was das Geheimnis seiner Gesundheit und Vitalität sei. Da antwortete er zum Beispiel, dass Israel doch so viele Sorten von wunderbarem Gemüse produziere. Die genieße er täglich und vergäße dann auch nicht, seine Übungen zu machen. Als Kind habe ihn sein Großvater, der Rabbiner in Weißrussland war und später im Holocaust umgekommen ist, geprägt. Er hätte ihm einige Bibelverse aus dem Psalm 34 mit ins Leben gegeben: „Wer ist der Mann, der Lust zum Leben hat, der seine Tage liebt, um Gutes zu sehen? Bewahre deine Zunge vor Bösem und deine Lippen vor betrügerischer Rede; lass ab vom Bösen und tue Gutes, suche Frieden und jage ihm nach!“ (nach der Elberfelder Übersetzung).

Zu Peres‘ 90. Geburtstagsfeier versammelten sich bedeutende Politiker aus aller Welt, aber es war aber kein arabischer Politiker anwesend. Auch zur Beerdigung des „Friedensmannes“ am Freitag haben sich Würdenträger aus aller Welt angemeldet. Wird dieses Mal jemand von arabischer Seite erscheinen?