Der Herr liebt Zion. Psalm 87 – erster Teil

  • Oktober 18, 2020
Festival of Lights

Mit rätselhaftem Stakkato wirft Psalm 87 seinen Lesern Behauptungen an den Kopf, die auf den ersten Blick zusammenhanglos erscheinen. Nichts wird wirklich erklärt. Jede Aussage steht für sich und könnte auch in einem anderen Zusammenhang sinnvoll erscheinen. Dieser Psalm wirkt wie ein Bündel von Gedankenfetzen, das eher verwirrt als Orientierung schafft. Der deutsche Reformator Martin Luther hat sich zu diesem Kapitel der Heiligen Schrift, soweit ich feststellen konnte, überhaupt nicht geäußert, ihn auch in keinem anderen Zusammenhang zitiert.

Ausleger, die sich mit Psalm 87 beschäftigt haben, gestehen ihm eine prophetische Qualität zu.[1] Damit wird behauptet, dieser Psalm erkläre Zusammenhänge aus einer Perspektive, die dem natürlichen Auge nicht ersichtlich ist. Er ist Offenbarung, Apokalypse, Enthüllung eines Geheimnisses.

Der israelische Schriftausleger Amos Chacham[2] stellt eine sprachliche Verwandtschaft der Psalmen 46, 48, 84 und 87 fest und beobachtet: „Alle diese Psalmen werden den Korachssöhnen zugeschrieben, verherrlichen die Heilige Stadt und ihr Heiligtum.“ Chacham vermutet, Psalm 87 sei ein Lied, das aus Anlass der Wallfahrten nach Jerusalem gesungen wurde. Möglicherweise sei er als Wechselgesang vorgetragen worden, worauf etwa „die Wechsel der Sprecher deuten“.[3]

Eine Gliederung von Psalm 87

Amos Chacham unterteilt die sieben Verse in zwei Abschnitte: Der erste Abschnitt (Verse 2-3) beschreibt „das geliebte, heilige und hoch verehrte Zion“. Der Zweite Abschnitt (Verse 4-6) macht die Aussage, dass „alle Menschen ein Anrecht haben, als Zionskinder zu gelten“. Umrahmt werden diese beiden Hauptteile von einer Überschrift (Vers 1) und einem Schluss (Vers 7). Der letzte Vers gibt die Worte der Singenden und Tanzenden wieder, die hinauf zum Zion ziehen.[4]

Insgesamt zwölf Kapitel des Psalters (42-49, 84-85, 87-88) tragen die Überschrift Für Korachs Söhne,

Die „Bnei Korach“ waren Leviten und Nachfahren des Korach, der zur Zeit der Wüstenwanderung aufgrund seiner Rebellion gegen Mose und Aaron sterben musste. Der biblische Bericht hält fest: „Aber die Kinder Korachs starben nicht“ (4. Mose 26,11).

Die „Söhne Korachs“ verweisen mit ihrem Namen auf ihren Stammvater und seine Geschichte. Damit erinnern sie an die Rebellion des auserwählten Volkes gegen seinen Gott. Sie unterstreichen aber auch die Gnade und Barmherzigkeit dieses Gottes, die immer wieder einen Neuanfang ermöglichen.

Rabbi Avraham Ben Me’ir Ibn Esra[5] hält die in diesen Psalmüberschriften genannten Nachfahren Korachs für Enkel oder Urenkel des Propheten Samuel, der selbst priesterlicher Abstammung war. Jedenfalls waren zur Zeit des Königs David „Korachsöhne“ Türhüter im israelitischen Heiligtum[6] und gehörten zum Tempelchor, den Heman gegründet hatte[7]. Eventuell waren unter ihnen auch Dichter und Vortragende von Psalmen.[8]

Rabbinischen Schriftausleger[9] halten beides für möglich: Entweder, dass die Psalmen mit dieser Überschrift und ihre Melodien von den „Söhnen Korachs“ selbst verfasst wurden. Oder, eine andere Möglichkeit ist, dass sie ursprünglich von David verfasst wurden „für die Söhne Korachs“, deren Aufgabe es dann war, sie während des Gottesdienstes im Tempel zu singen.

Das Kapitel 87 des „Sefer Tehilim“ (ספר תהילים), des „Buchs der Lobgesänge“ – so die wörtliche Übersetzung des hebräischen Namens der biblischen Liedersammlung, die wir „Psalmen“ nennen – ist “ein Psalm, ein Lied:” und: “Seine Gründung [ist] in den heiligen Bergen.

Laut Midrasch[10] sind die „heiligen Berge“ – wie Rabbi Samson Raphael Hirsch[11] beobachtet – die Gebirge Sinai und Morija. Auf dem Berg Morija stand der Tempel, „der zunächst die heilige Stätte des vom Sinai stammenden Gesetzes war und wesentlich als eine Fortsetzung des Sinai begriffen werden konnte“.[12]

Für den Sinai gibt es im Judentum keine glaubwürdige Lokaltradition. Raschi[13] erklärt: „Der Grund dieses Psalms ist auf dem Berg Zion. Jerusalem ist das Fundament auf dem der Dichter steht.“

In Zion gegründet

Wenn dieser Psalm seinen „Grund im heiligen Gebirge“, das heißt, in Zion hat, dann hat er damit – wie alles, was in Zion gegründet ist – seine Grundlage und seinen Ursprung im Willen, Reden und Handeln des einen, wahren, lebendigen Gottes.

„Denn der Herr hat Zion gegründet.“[14] Der Herr ist derjenige, „der Jerusalem erwählt“[15]. Er sagt (Jesaja 28,16): „Siehe, ich lege in Zion einen Stein, einen even bochan (אֶבֶן בֹּחַן) – einen Stein, der prüft, einen Prüfstein, einen allgemein gültigen Maßstab – einen wertvollen Eckstein als Grundlage, der fest gegründet ist.“ Martin Luther übersetzte die Folgerung, die sich daraus ergibt, prägnant: „Wer glaubt, der flieht nicht!“

Es liebt der Herr die Tore Zions

Gott liebt Zion. Das ist der einfache, ausreichende und unergründliche Ausgangspunkt, die Motivation dafür, dass der Herr Zion erwählt hat.[16]

Liebe ist weder hinterfragbar noch rational fassbar. Bis ins letzte Buch des Neuen Testaments hinein ist Jerusalem schlicht „die geliebte Stadt“ (Offenbarung 20,9). Die Wortwahl hier in Psalm 87 unterstreicht „die andauernde, von Treue geprägte Liebesbeziehung“ (ohev, nicht ahav!) Gottes zu den Toren Zions.

Dabei stehen die Tore für die ganze Stadt. Wer eine Stadt liebt, geht häufig durch ihre Tore ein und aus. Vielleicht werden die Tore hier aber auch schon erwähnt im hoffnungsvollen Ausblick auf die Fülle von Menschen, die durch sie nach Zion gelangen sollen.[17]

Die Perlen der Stadt

Der Midrasch Tehilim überliefert zu dieser Stelle die Auslegung von Rabbi Jochanan. Er sieht voraus, wie „der Heilige, gelobt sei Er, edle Steine und Perlen, die graviert sind, bringen und sie in die Tore Jerusalems stellen wird.“ Darüber spottet einer seiner Schüler. In der sich entfaltenden Diskussion werden die Edelsteine und der glänzende Reichtum der Stadt mit der Herrschaft des Königs Messias in Verbindung gebracht, „vor dem Silber und Gold wie Staub sind“.[18]

Auch wenn manches in dieser Auslegung dunkel bleibt, wird doch assoziativ ein Bogen zu Offenbarung 21 geschlagen. Dort beschreibt der Seher Johannes (hebräisch „Jochanan“) das neue Jerusalem, das „von Gott aus dem Himmel“ herabkommt, „wie eine geschmückte Braut für ihren Mann“ (Vers 2). „Sie besitzt die Herrlichkeitsgegenwart des [einen, wahren, lebendigen] Gottes“ (Vers 11), die „Schechinah“ (שכינה). Um dieses Phänomen beschreiben zu können, zieht der neutestamentliche Seher Vergleiche mit Edelsteinen heran (Vers 11b.18-20). „Die zwölf Tore“ sieht er als „zwölf Perlen. Jedes der Tore ist aus einer Perle“ (Vers 21).

Für unsere weiteren Überlegungen ist interessant: Das vorletzte Kapitel der „christlichen Bibel“ sieht „die Namen der zwölf Stämme Israels“ eingraviert auf den Toren Jerusalems (Offenbarung 21,12). „Pracht und Reichtum der nichtjüdischen Völker“ werden in das geistliche Zentrum Israels gebracht (Vers 26). Von dort erfahren die Nationen schließlich Heilung (Offenbarung 22,2).

Doch zurück zum Text: „Es liebt der Herr die Tore Zions… mehr als alle Wohnungen Jakobs.

„Obwohl der Herr alle Wohnungen Jakobs liebt“, stellt Rabbi David Ben Josef Kimchi, der „Radak“[19], mit Blick auf die Prophetie des heidnischen Sehers Bileam (4. Mose 24,5) fest, „liebt er doch die Tore Zions noch mehr“ als alle Wohnungen Jakobs.

Liebe ist exklusiv

Jede Liebe ist immer „mehr als“, unterscheidet zwischen „allen anderen“ und dem Geliebten. Liebe ist per Definition exklusiv. Eine Einstellung, die nicht unterscheidet, hervorhebt, erwählt und dadurch dann alles andere in irgendeiner Weise ausschließt, ist „Objektivität“, „Neutralität“, behandelt alle gleich, ist „Gleich-Gültigkeit“ – das glatte Gegenteil von Liebe.

Radak sucht nach einer Begründung für Gottes besondere Liebe zu den Toren Zions. Ein Grund dafür könnte sein, dass „die Ältesten und Weisen dort sitzen“ und „sich mit der Arbeit Gottes – dem Gottesdienst – beschäftigen“. „Ich liebe die Synagogen und Lehrhäuser“, lässt Radak Gott sagen, „aber Zion ist mein Befehlsstand, mein Prätorium“.

Ohne den Bezug ausdrücklich herzustellen, spielt er damit auf Jesaja 2,3 an: „Von Zion geht die Thora aus, und das Wort des Herrn von Jerusalem!“ Aber diese Eigenschaften Zions und seiner Tore könnten auch Folge der Liebe und Wahl Gottes sein. Deshalb bleibt uns letztendlich kein Ausweg, als vor dem Geheimnis der Liebe Gottes stehen zu bleiben, es als unerklärbar zu akzeptieren.

„Alijah“ ist gottgewollt

In diesem vergleichenden Satz, „Es liebt der Herr die Tore Zions mehr als alle Wohnungen Jakobs“, steckt noch ein weiterer Aspekt, der für den inhaltlichen Verlauf von Psalm 87 von Bedeutung ist:

Das Volk Israel, hier als „Ja‘akov“ bezeichnet, lebt seit Beginn der babylonischen Gefangenschaft im 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung zum Großteil außerhalb des Landes Israel. Seither sind sie nie in das Land zurückgekehrt, wie Hesekiel (39,28) prophezeit hat: „Ich sammle sie auf ihren Erdboden. Keinen von ihnen werde ich dort zurücklassen.“ Das gilt bis in unsere Gegenwart hinein, wenngleich in den vergangenen Jahren erstmals seit mehr als zweieinhalb Jahrtausenden die größte jüdische Gemeinschaft weltweit im Land Israel wohnt.

Nach wie vor lebt die Mehrheit des jüdischen Volkes außerhalb des verheißenen Landes. Jüdische Menschen fühlten und fühlen sich immer noch in der Diaspora so wohl, dass sie in den allermeisten Fällen nur dann in das Land Israel eingewandert sind, wenn ihnen keine andere Möglichkeit blieb.

Ein entscheidender Aspekt unseres Psalms ist, wie wir sehen werden, die Rückkehr des Volkes Israel in das Land Israel. Im Blick darauf stellt der Psalmist an dieser Stelle grundsätzlich klar: „Der Herr liebt die Tore Zions“ als Wohnung für sein Volk „mehr als alle Wohnungen Jakobs“ in der ganzen Welt. Im Klartext: „Alijah“, das Hinaufziehen nach Zion, die Einwanderung von jüdischen Menschen nach Israel, entspricht dem Willen Gottes. Ohne „den Geist, der von Zion aus gewonnen wird, ist ‚Israel‘ immer ‚Jakow‘“,[20] hält Hirsch schlicht fest.[21]

„Zion“ gibt Orientierung

Der Name „Zion“ ist etymologisch eng verwandt mit „Ziun“, das im hebräischen genau gleich (ציון) geschrieben wird. „Ziun“ ist die „Bezeichnung“, die „Auszeichnung“, ein „Wegweiser“, ein „Wegweisen“. Ein „Ziun“ gibt Ausrichtung – und „Zion“ richtet einen Menschen aus auf den Einen, der diese Stadt erwählt und ausgezeichnet hat vor allen anderen Orten auf dieser Welt. Der Blick auf den Zion führt zwingend zum Gott Israels.


[1] Etwa C.F. Keil und F. Delitzsch, Psalms 84-150, Commentary on the Old Testament vol.5/3. Translated by Francis Bolton (Peabody, Massachusetts/USA: Hendrickson Publishers, 1986), 16, oder auch August Dächsel, Hg., Das Alte Testament mit in den Text eingeschalteter Auslegung, ausführlichen Inhaltsangaben und erläuternden Bemerkungen, Band 3. II/1: Lehr- und prophetische Bücher (Leipzig: Verlag von Justus Naumann, 2. Auflage 1876), 312.

[2] 1921-2012, wurde in Israel bekannt als Gewinner des ersten israelischen und weltweiten Bibelquiz. Sein behinderter Vater, Noach Chacham, war ein jüdischer Bibellehrer, der 1913 von Wien nach Jerusalem übergesiedelt war. Er hatte den einzigen Sohn aus Angst vor einem Sprachfehler nicht an eine öffentliche Schule geschickt, sondern in äußerst ärmlichen Verhältnissen selbst ausgebildet. Das Bibelquiz im August 1958 offenbarte sein Genie und begründete seine legendäre Laufbahn als Schriftausleger. Seine Auslegungen liegen mir nur in hebräischer Sprache vor.

[3] עמוס חכם, ספר תהלים, ספרים ג-ה, מזמורים עג-קן (ירושלים: הוצאת מוסד הרב קוק, הדפסה שישית תש”ן/1990), קכז.

[4] עמוס חכם, ספר תהלים, ספרים ג-ה, מזמורים עג-קן (ירושלים: הוצאת מוסד הרב קוק, הדפסה שישית תש”ן/1990), קכג.

[5] 1089-1164, ist einer der herausragenden Dichter, Sprachwissenschaftler, Schriftausleger und Philosophen des Mittelalters. Er stammte aus Toledo im damals muslimischen Spanien. Weite Reisen führten ihn durch ganz Nordafrika bis ins Land Israel. Fast alle seine Bücher schrieb er in den letzten 24 Jahren seines Lebens. Auf der Flucht vor muslimischen Judenverfolgungen bereiste er in dieser Zeit das christliche Europa. 1161 verliert sich seine Spur im französischen Narbonne. Bekannt ist, dass er im Januar 1164 starb. Unbekannt ist, wo das geschah – Rom, Spanien oder auch England stehen zur Debatte. Ibn Esra bestritt als ausgesprochener Rationalist als erster, dass Mose den Pentateuch geschrieben hat, glaubte aber an die prophetische Bedeutung astrologischer Erscheinungen – was etwa Rambam als Götzendienst entschieden ablehnte. Da seine Werke auf Hebräisch verfasst sind, machte er dem europäischen Judentum den geistigen Reichtum orientalisch-jüdischer Schriftauslegung, die weitgehend in arabischer Sprache überliefert ist, zugänglich. Besonders wertvoll sind seine exakten grammatikalischen Studien, wobei er sich immer um den ursprünglichen, wörtlichen Sinn des Textes bemüht.

[6] 1. Chronik 9,17ff; vergleiche eventuell auch Psalm 84,10.

[7] 1. Chronik 6,31.33.39.44.

[8] עמוס חכם, ספר תהלים, ספרים ג-ה, מזמורים עג-קן (ירושלים: הוצאת מוסד הרב קוק, הדפסה שישית תש”ן/1990), רמ.

[9] Zum Beispiel Radak und in seiner Folge Chacham (ebenda).

[10] Der Begriff „Midrasch“ (מדרש) ist abgeleitet von der hebräischen Wurzel „darasch“ (דרש), die „suchen, fragen“ bedeutet. „Midrasch“ ist also wörtlich „Forschung, Studium, Auslegung, Lehre“, wird aber hier als umfassender Begriff für die rabbinische Auslegung gebraucht, die in der Antike mündlich, später in schriftlicher Form weitergegeben wurde. Als literarisches Genre folgen die „Midraschim“ als Auslegung dem biblischen Text, während der „Talmud“ Sachfragen behandelt und dementsprechend angeordnet ist.

[11] 1808-1888, stammte aus Hamburg und diente als Oberrabbiner in Oldenburg, Aurich, Osnabrück, in Mähren und Österreichisch-Schlesien. Als profilierter Vertreter der Orthodoxie war er ein ausgesprochener Gegner des Reform- und konservativen Judentums. Hirsch legte großen Wert auf das Studium der gesamten Heiligen Schrift. Ab 1851 war er Rabbiner der separatistischen orthodoxen „Israelitischen Religions-Gesellschaft“, engagierte sich im Bildungsbereich und veröffentlichte das Monatsmagazin „Jeschurun“. Hirsch hatte eine große Liebe zum Land Israel, war gleichzeitig aber ein Gegner der proto-zionistischen Aktivitäten von Zvi Hirsch Kalischer. Er wird als einer der Gründungsväter der neo-orthodoxen Bewegung gesehen.

[12] Samson Raphael Hirsch, Psalmen (Basel: Verlag Morascha, 2. Neubearbeitete Auflage 2005), 464 mit Verweis auf Psalm 68,18.

[13] Rabbi Schlomo Ben Jitzchak (1040-1105), auch „Rabbi Schlomo Itzchaki“ genannt, wurde im nordfranzösischen Troyes geboren, studierte zehn Jahre in Mainz und Worms, bevor er wieder nach Troyes zurückkehrte, wo er sich als Richter und Lehrer auszeichnete. In seinen letzten Lebensjahren erlebte er die Judenverfolgungen der Kreuzzüge mit. Raschi gehört zu den ganz großen Auslegern jüdischer Schriften und ist der Erste, der Bibel und Talmud umfassend ausgelegt hat. Seine Grundanliegen waren, die Heilige Schrift unters Volk zu bringen, die Einheit des jüdischen Volkes zu fördern und die theologische Auseinandersetzung mit dem Christentum. Raschi unterschied scharf zwischen „Pschat“ (wörtlicher Auslegung) und „Drasch“ (übertragener, allegorischer Auslegung), wobei der Pschat den Ausschlag gibt. Seine Schriftauslegung hat den Reformator Martin Luther entscheidend geprägt. Obwohl seine Kommentare bis heute zum Standard gehören, schreibt er nicht selten „das weiß ich nicht“.

[14] Jesaja 14,32; vergleiche ferner Psalm 78,69; 102,17; 147,2.

[15] Sacharja 3,2; ebenso Psalm 78,68.

[16] Derek Kidner, Psalms 73-150, TOTC 14b (Leicester, England/Downers Grove, Illinois, U.S.A.: Inter-Varsity Press, 1975), 314.

[17] C.F. Keil und F. Delitzsch, Psalms 84-150, Commentary on the Old Testament vol.5/3. Translated by Francis Bolton (Peabody, Massachusetts/USA: Hendrickson Publishers, 1986), 18.

[18] מדרש תהלים (בובר) מזמור פז.

[19] 1160-1235, der Erste unter den großen Schriftauslegern und Grammatikern der hebräischen Sprache. Er wurde im südfranzösischen Narbonne geboren. Sein Vater starb früh, so dass David von seinem Bruder Mosche Kimchi erzogen wurde. Radak erlaubte philosophische Studien nur denjenigen, deren Glaube an Gott und Furcht des Himmels gefestigt sind. Öffentlich setzte er sich mit Christen auseinander und griff vor allem deren allegorische Schriftauslegung und die theologische Behauptung an, das „wahre Israel“ zu sein.

[20] Vergleiche zur Bedeutung der Namen „Jakob“ und „Israel“ mein Buch „Verflucht und von Christus getrennt. Israel und die Heidenvölker. Eine Studie zu Römer 9-11“ (Holzgerlingen: SCM-Hänssler, überarbeitete Auflage 2013), 26-29.

[21] Samson Raphael Hirsch, Psalmen (Basel: Verlag Morascha, 2. Neubearbeitete Auflage 2005), 464.

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