Dass nicht mehr gedacht werde des Namens Israel

  • April 22, 2020
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In Israel werden zwei verschiedene Kalender benutzt, der gregorianische und der hebräische Kalender. Alle Feier- und Gedenktage werden nach dem hebräischem Kalender gehalten. So wird auch der sechs Millionen Holocaustopfer nicht am internationalen Holocaustgedenktag im Januar gedacht, sondern eine Woche nach dem Passafest und eine Woche vor dem Gedenktag an die Gefallen in den Kriegen Israels und die Terroropfer, und zwar am 27. Nissan. In diesem Jahr war das vom Abend des 20. April bis zum Abend des 21. April.

Traditionell findet am Vorabend dieses Tages in der Holocaustgedenkstätte Jad VaSchem eine Gedenkfeier statt. In diesem Jahr war man, wie zu vielen anderen Ereignissen auch, nur Online verbunden. Fester Bestandteil dieser Feier ist, dass einer der Oberrabbiner Israels Psalm 83 vorliest. So erklingt Jahr für Jahr auf Hebräisch, der Sprache der Bibel:

„Gott, schweige nicht! Verstumme nicht und sei nicht stille, Gott! Denn siehe, deine Feinde toben, und die dich hassen, erheben das Haupt. Gegen dein Volk planen sie listige Anschläge, und sie beraten sich gegen die, die bei dir geborgen sind. Sie sprechen: Kommt und lasst uns sie als Nation vertilgen, dass nicht mehr gedacht werde des Namens Israel!“

Der jetzige aschkenasische Oberrabbiner ist David Lau. Er ist der Sohn des früheren Oberrabbiners und Holocaustüberlebenden Israel Meir Lau, der jedes Jahr am Holocaust-Gedenktag am Marsch der Lebenden vom Konzentrationslager Ausschwitz zum Vernichtungslager Birkenau teilnimmt. Auch dort erklingen jedes Jahr auf Hebräisch Worte aus Psalmen, die das jüdische Volk seit Jahrtausenden betet:

„Ich will dich erheben, HERR, denn du hast mich emporgezogen und ließest meine Feinde sich nicht über mich freuen. Herr, mein Gott, zu dir habe ich geschrien, und du hast mich geheilt. Herr, du hast meine Seele aus dem Scheol heraufgeholt, hast mich am Leben erhalten und bewahrt vor dem Hinabfahren zur Grube“ (Psalm 30,2-4).

Der Marsch der Lebenden findet seit 1988 statt und konnte in diesem Jahr wie viele andere Veranstaltungen wegen der Covid-19-Pandemie nicht stattfinden.[1]

In diesem Zusammenhang ist erschütternd, was ein Tag danach in den israelischen Medien bekannt wurde: Die dänische Bibelgesellschaft hat eine Bibel veröffentlicht, in der sie die Erinnerung an Israel fast ausnahmslos aus dem Tanach und dem Neuen Testament gelöscht hat. Der Ausdruck „Volk Israel“ wurden durch „das jüdische Volk“ ersetzt und statt „Hüter Israels“ wird „unser Hüter“ verwendet. Die dänische Bibelgesellschaft erklärte dazu, so solle eine Verwechslung von Land Israel mit dem Staat Israel vermieden werden.[2]

Der Ausdruck „Israel“ kommt erstmals im ersten Buch der Bibel vor. In Kapitel 32 wird der Kampf von Jakob mit einem Unbekannten beschrieben. Dieser Unbekannte gibt Jakob den neuen Namen „Israel“. „Israel“ bedeutet „Gott wird kämpfen“, „Gott wird herrschen“.


[1] Rabbi Laus bewegende Rede vom letzten Jahr kann auf Englisch unter https://youtu.be/x1pUdhpgm04 gehört werden. Er zitiert zudem Psalm 116,8-9: „Denn du hast meine Seele vom Tod gerettet, meine Augen von Tränen, meinen Fuß vom Sturz. Ich werde wandeln vor dem HERRN in den Landen der Lebendigen.“

[2] https://www.ynet.co.il/articles/0,7340,L-5718760,00.html?utm_source=ynet.app.android&utm_term=5718760&utm_campaign=general&utm_medium=social (22.4.2020).

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