Hoffnung pur. Psalm 2 – fünfter Teil

  • Juni 12, 2017
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„Faszinierend vielfarbig“ ist Psalm 2. Er spricht auf mehreren Ebenen gleichzeitig in ganz unterschiedliche Zeiten und Situationen hinein. „Beängstigend chaotisch“ beschreibt er die Weltlage (Verse 1‑2). Doch aus Gottes Perspektive ist das Toben der Völker „beruhigend lächerlich“ (Verse 3‑4). „Aufschreckend direkt“ mischt sich der Schöpfer des Universums in das Weltgeschehen ein. Er macht seinen Geschöpfen klar, wo er ansetzt, um die Geschichte in seine Bahnen zu lenken (Verse 5‑6).[1]

Jetzt, in Psalm 2, Vers 7, meldet sich derjenige zu Wort, der bereits in Vers 2 als „Messias des Herrn“ genannt wurde.[2] Ihm gilt der Aufruhr der vereinten Nationen. Er ist der immanent sichtbare Fokus ihres Tobens. Und dieser Gesalbte erkennt die Absichtserklärung des lebendigen Gottes als persönlichen Missionsauftrag: „Ich will erzählen den feststehenden Beschluss des Herrn.“

Beim „Erzählen“ (אֲסַפְּרָה) geht es um das Berichten, das Weitergeben von Tatsachen. Allerdings stellt der Erzähler das Wahrgenommene nicht objektiv oder neutral zu Diskussion. Er hat eine Absicht, eine ganz konkrete Zielrichtung (אֶל). Das zeigt die ungewöhnliche Formulierung „אֶל חֹק“, was wörtlich übersetzt bedeutet: „hin zu einem in Stein gemeißelten Grundsatz“. Er möchte Einfluss nehmen, will mit seinem Berichten etwas verändern. In Anlehnung an Rabbi Samson Raphael Hirsch[3] lässt sich die Aussage des Messias „אֲסַפְּרָה אֶל חֹק“ (Vers 7a) folgendermaßen paraphrasieren: „Ich erzähle die Tatsache, dass Gott seinen König auf dem Zion eingesetzt hat, so oft und so lange, bis sich daraus ein Lebensgrundsatz für die Völker und ihre Regierungen gestaltet.“

„Durch die Propheten Nathan, Gad und Samuel“, so Raschi[4], lässt Gott König David sagen: „Du bist mein Sohn. Heute habe ich dich gezeugt“ (Ps 2,7b). Der Gott Israels offenbart sich als Vater. David darf Gott mit „mein Vater“ (vergleiche Ps 89,27: אָבִי אָתָּה) anreden, weil Gott ihn mit „mein Sohn“ (בְּנִי אַתָּה) angesprochen hat.[5] Dabei ist entscheidend: „Er war nicht durch Vererbung König geworden, hatte sich nicht selbst zum König gemacht, war auch nicht in erster Linie aus Menschenwahl zum König hervorgegangen; Gott hatte ihn zum König erwählt und bestimmt.“[6]

Es ist denkbar, dass diese Worte bei der Amtseinsetzung der judäischen Könige gesprochen wurden. Mit der Salbung „mir zum König“ (1. Sam 16,1) wurde der davidische König zum „Gesalbten“, hebräisch „Messias“, griechisch „Christus“. „Das bedeutet: Dieser König ist mein. Er ist mein Sohn und er ist mein Knecht. Er hört auf mich“ (Raschi). Ebenso wird dann von Davids Sohn Salomo gesagt: „Ich werde ihm Vater und er wird mir Sohn sein“ (2. Sam 7,14). Nicht mehr David, der biologische Vater ist „Vater“, sondern Gott selbst. Nicht die Dynastie, die Abstammung, ist die entscheidende Legitimation für diese Königsherrschaft, sondern die Entscheidung und Wahl des lebendigen Gottes.

Radak[7] geht davon aus, dass das „Heute habe ich dich gezeugt“ (Ps 2,7) bedeutet, dass „genau an jenem Tag in ihm der Geist Gottes geboren wurde, wie geschrieben steht: ‚Der Geist des Herrn drang von diesem Tag an zu David durch‘“ (1. Sam 16,13). Daraus schließt Radak: „Von da an sprach David Lieder und Psalmen im Heiligen Geist.“

Raschi erinnert daran, dass der Gottessohn nicht nur König David ist, sondern bereits Israel in Ägypten von Gott als „mein erstgeborener Sohn“ bezeichnet wurde (Ex 4,22). Martin Luther bezieht sich in seinen Auslegungen des Öfteren auf „Rabbi Salomon“, das heißt, auf „Raschi“, in der Regel allerdings nur, wenn er diesem zu widersprechen müssen meint. In seiner Auslegung von Ps 2 erinnert Luther nun ebenfalls daran, dass „Israel der erstgeborene Sohn genannt wird…“ – muss sich dann, quasi im selben Atemzug aber gleich wieder vom jüdischen Volk distanzieren, indem er erklärt: „…obgleich viele unter ihnen Götzendiener waren; wiederum alle gestraft werden, wo es nur wenige verdient hatten.“[8] Es spricht Bände, wenn der deutsche Reformator, der sonst so sehr das sola gratia (allein aus Gnaden) betont, im Blick auf die Gottessohnschaft Israels meint, von Verdiensten reden zu müssen.

Der Midrasch[9] und die talmudischen Lehrer (Sukka 52a) sehen in Ps 2,7 den messianischen König, der Israel in der Zukunft erlösen, ins Land Israel zurückführen und nach dem Willen Gottes regieren wird.[10] Auf dieser Linie liegt, wenn das Neue Testament im „Sohn“ von Ps 2,7 eine Prophetie auf Jesus von Nazareth erkennt (Hebr 1,5). Martin Luther meinte: „Dies ist der Zweck (scopus) des ganzen Evangelii, daß man Christum erkenne als den Sohn Gottes.“[11]

Der Schreiber des Hebräerbriefs hört in der Aussage „Heute habe ich dich gezeugt“ nicht nur die Krönungszeremonie zum König von Israel, sondern auch einen Hinweis auf die Einsetzung zum Hohenpriester (Hebr 5,5). Paulus deutet Ps 2,7 als Prophetie auf die Auferstehung,[12] was wiederum Luther aufgreift: „Darum, wie in den vorhergehenden Versen das Leiden und der Tod Christi geweissagt ist, so ist in diesem Verse seine Auferstehung, wiewohl etwas dunkel, vorherverkündigt.“[13] Der Reformator stellt zudem noch einen Bezug zu Vers 4 her und sieht in der Auferstehung Christi ein „Spotten Gottes“, weil Gott „die Juden und die Heiden, welche Christum tödteten, der ganzen Welt zum Gespötte gemacht hat, indem er ihn von den Todten auferweckte.“[14]

Wenn Ps 2,7 als Vorhersage der Auferstehung des messianischen Gottessohnes Jesus von Nazareth zu sehen ist, stellt sich die Frage, ob die Aussage „Du bist mein Sohn. Heute habe ich dich gezeugt“ nicht auch als Prophetie auf die Rückführung des jüdischen Volkes in das Land Israel verstanden werden kann, vielleicht sogar folgerichtig verstanden werden muss?!

Hesekiel beschreibt in seiner berühmten Vision von den Totengebeinen die Heimkehr des Volkes Israel als Auferstehung von den Toten: „So spricht Gott, der Herr: Siehe, ich öffne eure Gräber. Ich führe euch, mein Volk, herauf aus euren Gräbern. Ich bringe euch auf den Erdboden Israel. Ihr werdet erkennen, dass ich der Herr bin, wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufführe. Ich werde meinen Geist in euch geben. Ihr werdet leben! Ich werde euch auf eurem Erdboden fest zur Ruhe setzen. Da werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich sage etwas. Und dann tue ich es auch!“ (Hes 37,12-14).

Die Parallele zwischen Tod und Auferstehung des Messias Jeschua aus Nazareth einerseits, und dem Schicksal des jüdischen Volkes in den vergangenen zweitausend Jahren andererseits, wird auch bei einem Blick auf Hos 6,2 deutlich. Dort sagt das Volk Israel: „Er wird uns nach zwei Tagen zum Leben erwecken. Am dritten Tag wird er uns aufrichten, so dass wir vor ihm leben.“

Die babylonischen Amoräer[15] erklärten diese „Tage“ des Propheten Hosea – wohl im Anschluss an Ps 90,4 – zu „Jahrtausenden“ (Sanhedrin 97a). Im Rückblick scheinen diese jüdischen Gelehrten Recht zu bekommen. Zweitausend Jahre dauerte die weltweite Diaspora des jüdischen Volkes, bevor es mit Anbruch des dritten Tages, des dritten Jahrtausends, in unseren Tagen wieder in das Land Israel gesammelt wird. Vielleicht müsste man Luthers oben zitierte Aussage neu formulieren und mit Rückbezug auf Vers 4 feststellen, dass Gott heute die ganze Welt und vor allem all diejenigen, die das jüdische Volk für tot erklärt haben, zum Gespött macht, wenn er sein Volk allen Widerständen zum Trotz in das verheißene Land zurückführt.

Radak schließlich verweist darauf, dass diese Aussagen nicht nur für Israel, König David und den messianischen Davidssohn gelten, sondern „jeder, der sich hörend Gott als Knecht zur Verfügung stellt heißt ‚sein Sohn‘. Wie der Sohn auf den Vater hört, ist er zum Dienst bestimmt. Deshalb heißt es (Deut 14,1): ‚Ihr seid Söhne für den Herrn, euren Gott.‘ Und so wird Israel ‚Söhne des lebendigen Gottes‘ genannt (Hos 2,1).“

Wieder wird deutlich, wie die verschiedenen Verstehensebenen[16] dieses Psalms ineinanderfließen. Keine einzige Verstehensebene kann die Aussagen dieser Prophetie für sich allein erklären. Wenn wir ernstnehmen, dass dieser vielschichtige Text inspiriertes Gotteswort und kein Zufall ist, dann sehen wir, wie eng diese Prophetie das Schicksal des Volkes Israel, seine Vertreibung aus dem Land Israel, seine weltweite Zerstreuung, sein Leiden und seine Sammlung in unseren Tagen, mit dem Leben, dem Leiden, dem Tod und der Auferstehung des Christus Jesus von Nazareth verbindet. Und beides, der Weg des Gottessohnes Israel und der Weg des Messias, haben eine tiefe, entscheidende Bedeutung für uns, die wir heute Gottes Kinder sein wollen. Wenn Christus von den Toten auferstanden ist und heute sogar das zweitausend Jahre lang tot geglaubte Volk Israel aus seinen Gräbern heimkehrt, dann ist das Hoffnung pur.

Wenn der Messias von dem Grundsatz erzählt, dass „der im Himmel sitzt“ (Ps 2,4) seinen König auf dem Zion eingesetzt hat (Vers 6), dann bringt er damit ein Ja zur göttlichen Berufung zum Ausdruck. Er erklärt sich bereit, „dem Herrn zu dienen, wie ein Sohn den Vater ehrt“ (Ibn Esra[17]). Die klassischen jüdischen Schriftausleger arbeiten in ihren Bemerkungen zu diesen Schriftversen die gesamtbiblische Schau heraus, dass der „Messias“ als „Sohn Gottes“ gleichzeitig auch der „Gottesknecht“ ist.

Dem Vater-Sohn-Verhältnis zwischen dem Gott Israels und seinem Messias entspringt die Aufgabe, aktiv am Herrschaftsanspruch Gottes teilzunehmen.[18] Der „Sohn Gottes“ ist der Träger dieser göttlichen Offenbarung. Das gilt für das Volk Israel und seinen historischen König David. Wenn wir allen Auslegungsebenen von Ps 2 folgen, dann gilt das in der Folge aber auch für den Messias, sei er nun der bereits Gekommene, der Kommende oder der Wiederkommende. Und dann gilt das auch für alle, die in seinen Fußspuren folgen oder ihm entgegengehen. Diese Offenbarung „spottet [tatsächlich] aller Versuche, sie aus dem Bewusstsein der Menschen zu tilgen“.[19]

Fußnoten:

[1] Dieser Artikel ist der fünfte Teil in einer Reihe von Beiträgen zur Auslegung von Psalm 2. Die vorangegangenen Teile können Sie unter den folgenden Links einsehen: Faszinierend vielfarbig. Psalm 2 – erster Teil: https://gerloff.co.il/article-detail/?id=798. Beängstigend chaotisch. Psalm 2 – zweiter Teil: https://gerloff.co.il/article-detail/?id=809. Beruhigend lächerlich. Psalm 2 – dritter Teil: https://gerloff.co.il/article-detail/?id=295. Aufschreckend direkt. Psalm 2 – vierter Teil: https://gerloff.co.il/article-detail/?id=380.

[2] Derek Kidner, Psalms 1-72. An Introduction & Commentary, TOTC (Leicester/England and Downers Grove, Illinois/USA: Inter-Varsity, 1973), 51.

[3] Psalmen (Basel: Verlag Morascha, 2. Neubearbeitete Auflage 2005), 9f. Samson Raphael Hirsch (1808-1888) stammte aus Hamburg und diente als Oberrabbiner in Oldenburg, Aurich, Osnabrück, in Mähren und Österreichisch-Schlesien. Als profilierter Vertreter der Orthodoxie war er ein ausgesprochener Gegner des Reform- und konservativen Judentums. Hirsch legte großen Wert auf das Studium der gesamten Heiligen Schrift. Ab 1851 war er Rabbiner der separatistischen orthodoxen „Israelitischen Religions-Gesellschaft“, engagierte sich im Bildungsbereich und veröffentlichte das Monatsmagazin „Jeschurun“. Hirsch hatte eine große Liebe zum Land Israel, war gleichzeitig aber ein Gegner der proto-zionistischen Aktivitäten von Zvi Hirsch Kalischer. Er wird als einer der Gründungsväter der neo-orthodoxen Bewegung gesehen.

[4] Rabbi Schlomo Ben Yitzchak (1040-1105), oder auch „Rabbi Schlomo Itzchaki“, gemeinhin „Raschi“ genannt, wurde im nordfranzösischen Troyes geboren, studierte zehn Jahre in Mainz und Worms, bevor er wieder nach Troyes zurückkehrte, wo er sich als Richter und Lehrer auszeichnete. In seinen letzten Lebensjahren erlebte er die Judenverfolgungen der Kreuzzüge mit. Raschi gehört zu den ganz großen Auslegern jüdischer Schriften und ist der Erste, der Bibel und Talmud umfassend ausgelegt hat. Seine Grundanliegen waren, die Heilige Schrift unters Volk zu bringen, die Einheit des jüdischen Volkes zu fördern und die theologische Auseinandersetzung mit dem Christentum. Raschi unterschied scharf zwischen „Pschat“ (wörtlicher Auslegung) und „Drasch“ (übertragener, allegorischer Auslegung), wobei der Pschat den Ausschlag gibt. Seine Schriftauslegung hat den Reformator Martin Luther entscheidend geprägt. Obwohl seine Kommentare bis heute zum Standard gehören, schreibt er nicht selten „das weiß ich nicht“.

[5] C.F. Keil and F. Delitzsch, Psalms 1-35, Commentary on the Old Testament vol.5/1. Translated by Francis Bolton (Peabody, Massachusetts/USA: Hendrickson Publishers, February 1989), 96.

[6] Samson Raphael Hirsch, Psalmen (Basel: Verlag Morascha, 2. Neubearbeitete Auflage 2005), 10.

[7] Rabbi David Ben Yosef Kimchi (1160-1235) der so genannte  „Radak“, war der Erste unter den großen Schriftauslegern und Grammatikern der hebräischen Sprache. Er wurde im südfranzösischen Narbonne geboren. Sein Vater starb früh, so dass David von seinem Bruder Mosche Kimchi erzogen wurde. Radak erlaubte philosophische Studien nur denjenigen, deren Glaube an Gott und Furcht des Himmels gefestigt sind. Öffentlich setzte er sich mit Christen auseinander und griff vor allem deren allegorische Schriftauslegung und die theologische Behauptung an, das „wahre Israel“ zu sein.

[8] Johann Georg Walch (hg.), Dr. Martin Luthers Sämtliche Schriften. Vierter Band. Auslegung des Alten Testaments (Fortsetzung). Auslegung über die Psalmen (Groß Oesingen: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms, 2. Auflage, 1880-1910), 254.

[9] Der Begriff „Midrasch“ (מדרש) ist abgeleitet von der hebräischen Wurzel „darasch“ (דרש), die „suchen, fragen“ bedeutet. „Midrasch“ ist also wörtlich „Forschung, Studium, Auslegung, Lehre“, wird aber hier als umfassender Begriff für die rabbinische Auslegung gebraucht, die in der Antike mündlich, später in schriftlicher Form weitergegeben wurde. Als literarisches Genre folgen die „Midraschim“ als Auslegung dem biblischen Text, während der „Talmud“ Sachfragen behandelt und dementsprechend angeordnet ist.

[10] Elhanan Ben Avraham, Mashiach ben Yoseph משיח בן יוסף (Jerusalem, Israel), 12, mit Verweis auf Jalkut und Mezudat David.

[11] Johann Georg Walch (hg.), Dr. Martin Luthers Sämtliche Schriften. Vierter Band. Auslegung des Alten Testaments (Fortsetzung). Auslegung über die Psalmen (Groß Oesingen: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms, 2. Auflage, 1880-1910), 273.

[12] Apg 13,33 und dann Röm 1,4; vergleiche auch Mt 3,17; 16,16; 17,5; Lk 3,22; Mt 4,3; Joh 1,49; 2. Petr 1,17, wo Jesus als Sohn Gottes bezeichnet wird.

[13] Johann Georg Walch (hg.), Dr. Martin Luthers Sämtliche Schriften. Vierter Band. Auslegung des Alten Testaments (Fortsetzung). Auslegung über die Psalmen (Groß Oesingen: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms, 2. Auflage, 1880-1910), 264.

[14] Johann Georg Walch (hg.), Dr. Martin Luthers Sämtliche Schriften. Vierter Band. Auslegung des Alten Testaments (Fortsetzung). Auslegung über die Psalmen (Groß Oesingen: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms, 2. Auflage, 1880-1910), 264.

[15] Die „Amoräer“ (Aramäisch: אמוראים, Amora’im; übersetzt die „Sprechenden“, „Berichtenden“) waren jüdische Gelehrte, die im 3. bis 5. Jahrhundert in Babylon und im Land Israel wirkten. Ihre Diskussionen über die mündliche Thora sind in der Gemara überliefert.

[16] Vergleiche hierzu den ersten Teil dieser Serie „Faszinierend vielfarbig“: https://gerloff.co.il/article-detail/?id=798.

[17] Rabbi Avraham Ben Me’ir Ibn Esra (1089-1164) ist einer der herausragenden Dichter, Sprachwissenschaftler, Schriftausleger und Philosophen des Mittelalters. Er stammte aus Toledo im damals muslimischen Spanien. Weite Reisen führten ihn durch ganz Nordafrika bis ins Land Israel. Fast alle seine Bücher schrieb er in den letzten 24 Jahren seines Lebens. Auf der Flucht vor muslimischen Judenverfolgungen bereiste er in dieser Zeit das christliche Europa. 1161 verliert sich seine Spur im französischen Narbonne. Bekannt ist, dass er im Januar 1164 starb. Unbekannt ist, wo das geschah – Rom, Spanien oder auch England stehen zur Debatte. Ibn Esra bestritt als ausgesprochener Rationalist als erster, dass Mose den Pentateuch geschrieben hat, glaubte aber an die prophetische Bedeutung astrologischer Erscheinungen – was etwa Rambam als Götzendienst entschieden ablehnte. Da seine Werke auf Hebräisch verfasst sind, machte er dem europäischen Judentum den geistigen Reichtum orientalisch-jüdischer Schriftauslegung, die weitgehend in arabischer Sprache überliefert ist, zugänglich. Besonders wertvoll sind seine exakten grammatikalischen Studien, wobei er sich immer um den ursprünglichen, wörtlichen Sinn des Textes bemüht.

[18] C.F. Keil and F. Delitzsch, Psalms 1-35, Commentary on the Old Testament vol.5/1. Translated by Francis Bolton (Peabody, Massachusetts/USA: Hendrickson Publishers, February 1989), 96.

[19] Samson Raphael Hirsch, Psalmen (Basel: Verlag Morascha, 2. Neubearbeitete Auflage 2005), 9.

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