Gesegnete Kooperation

  • Mai 19, 2010
israelnetz

Liebe Leser,

über Melchisedek wissen wir nur wenig. Er war König von „Schalem“ (Jerusalem?) und ein Priester des höchsten Gottes. Er wusste: „Abram ist gesegnet für Gott, den Höchsten“ (so wörtlich in 1. Mose 14,19), das heißt, Abram ist besonders ausgerüstet für die Pläne, Zwecke und Ziele des Gottes, „der Himmel und Erde kauft“. Luther hat übersetzt „der Himmel und Erde geschaffen hat“ – aber der Text sagt nicht „schaffen“, sondern „erwerben, kaufen, loskaufen“. Derselbe Wortstamm erscheint übrigens im modernen hebräischen Wort für „Einkaufszentrum“, „Kenyon“.

Melchisedek wusste also: Gott hat sich aufgemacht, um seine Schöpfung zurückzugewinnen und Abram ist das Werkzeug. Deshalb ehrt der geheimnisvolle Priesterkönig den Nomadenscheich mit Brot und Wein (v.18), deshalb segnet er ihn (v.19) und deshalb haben die Bedränger Abrams keine Chance – worüber Melchisedek Gott lobt (v.20).

Das alles ist keine Frage von „besser oder schlechter“, „gut oder böse“ – wie wir wenige Kapitel später (20 + 21) sehen: Abimelech will mit Abraham einen Bund schließen, weil er erkannt hat: „Gott ist mit dir in allem, was du tust“ (1. Mose 21,22). Das galt, obwohl Abraham den Philisterkönig kurz zuvor durch ein Täuschungsmanöver mit unmoralischer Komponente fast in den Untergang gestürzt hätte. Abimelech hatte, zumindest in diesem Fall, den eindeutig besseren Draht zum lebendigen Gott und der von ihm verordneten Ethik.

Melchisedek und Abimelech hatten einen Blick für das Handeln Gottes. Sie wussten, gegen seine Ordnungen kann man sich genauso wenig auflehnen, wie gegen den Wind, die Sonne oder die Schwerkraft. So handelte Abimelech im eigenen Interesse, wenn er Abraham an seinem Reichtum teilhaben und wissen ließ: „Siehe da, mein Land steht dir offen; wohne, wo dir’s wohlgefällt“ (1. Mose 20,14-16). Gott hatte es ihm gesagt: Der Schlüssel zum eigenen Heil liegt bei Abraham (vv. 7+17f), ganz unabhängig von dessen moralischen Verfehlungen. Und Abimelech hat das ganz praktisch erfahren.

Übrigens ist so eine Beziehung keine Einbahnstraße: Abram gab dem Melchisedek seinen Zehnten (1. Mose 14,20) und auch Abimelech ging nicht leer aus (1. Mose 21,30). Streitigkeiten und geschehenes Unrecht durften offen angesprochen werden (1. Mose 21,25ff). Das Geheimnis des Segens liegt im Miteinander und darin, dass die Beteiligten die Ordnungen Gottes achten und sich an ihnen orientieren.

Den Palästinensern geht es heute wirtschaftlich so gut, wie noch nie. Die israelische Wirtschaft blüht – was jeder merkt, der von der Kaufkraft des Dollars oder Euros abhängig ist und hier etwas bezahlen muss. Der Grund für den Aufschwung in Israel und den Palästinensergebieten ist nicht friedensnobelpreisverdächtige Diplomatie. Erstmals seit 16 Jahren gibt es keine offiziellen Kontakte zwischen Israelis und Palästinensern mehr, dank der amerikanischen Nahostinitiativen. Der Grund für die Wirtschaftsblüte im Heiligen Land ist ein Wandel durch Handel, ganz einfach und praktisch, ohne viel öffentliches Trara.

Mit einem herzlichen „Schalom“ grüßt Sie aus Jerusalem,

Ihr Johannes Gerloff

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