Der erste Schritt zum Glück. Psalm 1 – erster Teil

  • Mai 27, 2018
110907Golan001 (1024x446)

In der Synagoge von Antiochia im kleinasiatischen Pisidien unterschied Paulus bereits zwischen dem ersten und dem zweiten Psalm (Apostelgeschichte 13,33), wie das heute alle gängigen Bibelausgaben tun.[1] Allerdings fällt auf, dass Psalm 2 eine Überschrift fehlt. Eine Reihe antiker hebräischer Handschriften überliefern Psalm 2 als Fortsetzung von Psalm 1.[2]

Die rabbinischen Schriftausleger beobachten, dass Psalm 1 und Psalm 2 gemeinsam den Psalter eröffnen und literarisch betrachtet eine Einheit bilden.[3] Radak[4], der diese Beobachtung ebenfalls überliefert, bemerkt dazu: „David liebte diesen Abschnitt ganz besonders. [Deshalb] begann er ihn mit ‚glücklich‘ und beschloss ihn mit ‚glücklich‘.“

„Glücklich ist der Mann…“ (Psalm 1,1). Die Betonung des „Glücklich“ (אַשְׁרֵי) fällt besonders auf im Vergleich zu Jeremia 17,5-10. Dieser Abschnitt ist eine Parallele zu Psalm 1, nur dass Jeremia seine Ausführungen mit „Verflucht“ (אָרוּר) beginnt.

Der Autor von Psalm 1 schreibt seine Worte offensichtlich ganz bewusst in ein furchterregendes, weltweites Chaos hinein (Psalm 2). Er sieht die Rebellion der Völkerwelt gegen ihren Schöpfer. Er weiß um das drohende Gericht Gottes am Horizont.

Aber die Klammer um seine Ausführungen in Psalm 1 und Psalm 2 ist „אַשְׁרֵי/aschrei“, „glücklich“. Aus seiner Perspektive setzt das Glück, das Gute, das Positive den entscheidenden Akzent in einer Umwelt, die von Durcheinander, Aufruhr, Wut, Geschrei, Sinnlosigkeit, Perversion, Leiden und infolge dessen auch vom Gerichtshandeln Gottes geprägt ist. Psalm 1 zeigt den Schlüssel zu einem erfüllten Leben, auch wenn das Umfeld „Glück“ eher nicht zu ermöglichen scheint.

Voranschreiten als Glück

Samson Raphael Hirsch[5] untersucht den hebräischen Ausdruck „אַשְׁרֵי/aschrei“, „glücklich“, mit Hilfe seines einzigartigen Sprachgefühls. Er vergleicht eine Reihe von lautverwandten Worten und erkennt etymologische Querverbindungen. So kommt er zu dem Schluss, dass „אַשְׁרֵי/aschrei“ nicht nur „auf eine Sammlung von Kräften und Gütern hinweist“, sondern rein sprachlich schon einen Hinweis auf das „Fortschreiten zum Heil“, das „Fortschreiten in allem Wünschenswerten“, das Gedeihen „innern und äussern Reichtums“ enthält.[6]

So wie die ersten beiden Psalmen durch das „glücklich“ zusammengehalten werden, wird das erste Buch der Psalmen (Psalm 1-41) mit zweimal „glücklich“ eingeleitet (Psalm 1,1 und 2,12) und mit zweimal „glücklich“ abgeschlossen (Psalm 40,5 und 41,2).[7] Die Psalmen 32, 41, 112, 119 und 128 stellen ein „glücklich“, eine Seligpreisung, an den Anfang dessen, was sie zu sagen haben. Ebenso beginnt Jesus seine Bergpredigt mit einem neunfachen „glücklich“ (μακάριοι) (Matthäus 5,3-11).[8]

Hirsch erinnert daran, dass „schon die Weisen“ – die jüdischen Schriftausleger der Antike – „bemerken, wie mit diesem Wort אשרי [aschrei] sich Tehillim [das Buch der Psalmen] unmittelbar der Tora anschliesst. Mosches Abschiedssegen Wesot Haberacha [„Und dies ist der Segen…“; 5. Mose 33,1] schloss mit den Worten: אַשְׁרֶיךָ יִשְׂרָאֵל מִ֣י כָמֹוךָ [„Glücklich bist du, Israel, wer ist wie du…“; 5. Mose 33,29]. David beginnt, womit Mosche geschlossen: אַשְׁרֵי־הָאִישׁ [„Glücklich ist der Mann“].“ Allerdings: „Was Mosche für das Nationalganze ausgesprochen, das bringt David hier individuell für jeden einzelnen zum Bewusstsein.“[9]

Martin Luther beobachtet den Plural des hebräischen Wortes für „glücklich“, wenngleich es in Psalm 1 um den Einzelnen geht: „Der Hebräer sagt in der Mehrheit אשרי [aschrei], selige Leute oder selige Verhältnisse, als, in seligen Verhältnissen ist der Mann“[10] – eine Beobachtung, die der christliche Reformator möglicherweise von dem jüdischen Exegeten Radak übernommen hat. Der bemerkt zu Psalm 1,1, dass es nicht nur ein Gutes, eine positive Erfahrung, ein Strohhalm der Hoffnung ist, an dem sich der „glückliche Mann“ festhält, sondern eine Vielzahl von guten Dingen. Es ist ein überfließender Kelch (Psalm 23,5) des Glücks, der sein Leben prägt, auch „im Tal der Todesschatten“ und „im Angesicht seiner Feinde“.

Wohlsein, selbst unter widrigen Umständen

An dieser Ausstrahlung des Glücks erkennt man Menschen, die nah am Herzen des himmlischen Vaters sind. Sie lassen nicht den Kopf hängen, weil das Leben ach so schwer ist und alles nur noch schlimmer kommt. Sie führen ein erfülltes Leben auch unter schwersten Umständen.

Der Gründer der American Colony in Jerusalem, Horatio Gates Spafford, sang im November 1873 nachdem ihm seine vier Töchter im Alter von zwei bis elf Jahren durch eine Katastrophe auf dem Atlantik geraubt worden waren: „It is well, it is well, with my soul!“

Menschen, die nah am Herzen Gottes sind, erheben ihre Häupter, weil sie wissen, die Erlösung naht (vergleiche Lukas 21,28), auch wenn die ganze ihnen begreifbare Welt um sie herum ins Wanken gerät und aus den Angeln gehoben wird. In einer untergehenden Welt ist ihr Denken, Reden und Handeln, ihr ganzes Wesen von Hoffnung geprägt. Sie sind „glücklich“.

„Doch“, so wird jeder, der mit beiden Füßen im praktischen Leben steht, fragen müssen, „wie ist das möglich? Malt uns die Bibel da nicht eine Utopia vor Augen, die im besten Falle eine zeitweilige Weltflucht, eine Illusion erlaubt, aber sonst mit den Herausforderungen unserer Zeit, mit dem täglichen Leben nichts zu tun hat – ganz zu schweigen von einem erfüllten Leben in unserer real existierenden Welt?“

Der Psalmist zeigt einen ersten Schritt zum Glück:

„Glücklich ist der Mann, der nicht geht im Rat der Bösen, der nicht stehen bleibt auf dem Weg der Sünder und nicht sitzt im Sitz der Spötter“ (Psalm 1,1). – Glück beginnt mit einem klaren Nein. Der erste und alles entscheidende Schritt zum Glück ist eine unmissverständliche Absage. Wer sich nicht zu verweigern weiß, wird nie glücklich werden.

An diesem Punkt sind sich Psalm 1 und Jeremia 17 einig. Beide Passagen beginnen mit einer Negativaussage und dem Bewusstsein, dass eine Abgrenzung vorgenommen werden muss. „Freundschaft mit der Welt ist Feindschaft gegen Gott“, erklärt Jakobus (4,4), der Bruder von Jesus und erste Bischof von Jerusalem: „Wer nun ein Freund der Welt sein will, positioniert sich als Feind Gottes.“

„…der nicht geht im Rat der Bösen…“ – Radak meint, ein „Böser“ (רשע) sei ein Mensch, dem es nur ums Geld gehe, dessen Sinn einzig auf diese Welt ausgerichtet sei, der deshalb nicht zwischen Gut und Böse unterscheide, stehle, raube, morde, nur um die Geldsucht seines Herzens zu befriedigen.

Martin Luther übersetzt רשע [rascha‘] mit „Gottloser“, verweist auf den heiligen Hilarius, der als „gottlos“ denjenigen charakterisiert, „welcher eine üble Meinung von Gott hegt“, um dann zu dem Schluss zu kommen: „ein Gottloser [ist], der im Unglauben lebt“[11].

Hirsch präzisiert: רשע [rascha‘] ist „lautverwandt mit רשה [raschah], wovon das rabbinische Reschut, der ungehinderte Wille, das Machtgebiet, und Raschut (Awot Kapitel I und II) die über dem Gesetz stehende Hoheit“ abgeleitet ist. Rascha‘ bezeichnet deshalb „den Gesetzverächter, den Gesetzlosen, der sich mit Bewusstsein dem Gesetzesgehorsam entzieht, sich nur von seiner Willkür leiten lässt.“[12]

Der Malbim[13] ergänzt, dass das Verhalten der Bösen sowohl das Verhältnis zwischen den Menschen untereinander, als auch das Verhältnis zwischen Gott und Menschen betrifft. Zudem ist seine Motivation nicht nur irgendein Verlangen oder Trieb, sondern seine Boshaftigkeit, sein böser Charakter.

Geplant gegen Gott

Hirsch unterstreicht schließlich noch, dass es beim „Rat der Bösen“ darum geht, dass eine Ratlosigkeit durch Überlegung überwunden wird. Bei den „bösen Gottlosen“ geht es also um Menschen, die mit äußerster intellektueller Anstrengung, ganz bewusst und vorsätzlich das göttliche Gesetz übertreten und außer Kraft setzen.[14]

Im Zusammenhang mit Psalm 2 ist hier an die Könige der Erde und die Machthaber gedacht, die miteinander beratschlagen, um sich durch ihre eigene Gesetzgebung ganz bewusst und gezielt über die Thora des Schöpfers hinwegzusetzen. Absolut korrekt erkennt der prophetische Psalmbeter ihr Ansinnen als Agitation „gegen den Herrn und seinen Messias“ (Psalm 2,2).

Luther erklärt, „daß nach der Weise der Schrift ‚wandeln‘ und ‚einhergehen‘ in übertragener Bedeutung (μεταφορικως) dasselbe ist als leben oder Gemeinschaft haben“[15].

Radak sieht, dass jeder Mensch von klein auf den Weg der Welt und ihre Sucht nach Essen, Trinken und Freude im Blut hat, „wie geschrieben steht (1. Mose 8,21): ‚der Trieb des menschlichen Herzens ist böse von Jugend an.‘“ Deshalb sei ein jeder Mensch aufgefordert, das in seinem Leben umzusetzen, was Psalm 34,15 sagt: „Weiche vom Bösen – und tue Gutes!“

„…der nicht stehen bleibt auf dem Weg der Sünder…“ – Im Gegensatz zu denen, die geplant und gezielt ihre Bosheit ausleben, ist ein Sünder jemand, der aus Versehen am Ziel vorbeischießt. In Richter 20,16 wird derselbe Wortstamm (חטא) verwendet, wenn Spezialisten beschrieben werden, die „mit einer Steinschleuder ein Haar treffen, ohne zu fehlen“. „Sündigen“ im biblischen Wortsinn bezeichnet „das unabsichtliche Fehlgehen, das Versündigen gegen das Gesetz aus Leichtsinn, aus Mangel an Ernst.“[16] „Sünder“ sind diejenigen, die sich von ihren Trieben und ihrem Verlangen leiten lassen, ohne viel darüber nachzudenken (Malbim).

Zielverfehlung als Charaktereigenschaft

Hirsch macht dann allerdings auf einen feinen Unterschied im Hebräischen aufmerksam, der in deutschen Übersetzungen kaum zum Ausdruck gebracht werden kann. Der Mensch hier in Psalm 1,1 ist ein חטא (chata’), kein חוטא (chote’). Beide Begriffe kommen von derselben hebräischen Wortwurzel und werden im Deutschen mit „Sünder“ wiedergegeben. Allerdings ist der חוטא (chote’) „ein mitunter Fehlgehender, wovon kein Mensch frei bleibt“, während dem חטא (chata’) das „Sündigen aus Leichtsinn zum Charakter geworden“ ist.[17]

Was den „Glücklichen“ nun auszeichnet ist nicht, dass er nie etwas falsch macht, nie sein Ziel verfehlt. Sein Umgang mit der Sünde ist wichtig. „‚Stehen‘ bedeutet nach der übertragenen Redeweise (tropo) der heiligen Schrift: fest sein.“[18] Wenn er also „je – wovor kein Mensch geschützt ist – aus Mangel an Ernst, an Überlegung, aus Schwäche und Irrtum, auf einen unrechten Weg, auf einem Derech Chataim hingeraten war, so ist er doch nie darin stehengeblieben, hat, sobald er es erkannt hatte, ihn verlassen.“ Entscheidend ist, dass er auf dem „Weg der Sünder nicht stehen geblieben“ ist, sondern sobald er seinen Irrtum erkennt, umgekehrt.[19]

„…und nicht im Sitz der Spötter sitzt“ – In Jesaja 28,14-15 werden als „Spötter“ (אַנְשֵׁי לָצֹון) diejenigen bezeichnet, die „einen Bund mit dem Tod und einen Vertrag mit dem Totenreich“ geschlossen haben. Nach Aussage des Propheten fühlen sie sich sicher, weil sie „Lüge als Zuflucht und Unwahrheit als Unterschlupf“ gewählt haben.

„Spötter sind die Listigen mit einer besonderen Kenntnis des Bösen. Sie sind stolz, reden Böses über andere, ziehen diese in den Schmutz und verraten einer dem anderen Geheimnisse“ (Radak).

Boshafte Rhetorik

Amos Chacham[20] ergänzt: „Spötter sind in der Sprache der Bibel nicht diejenigen, die Witze machen oder leichtsinnig sind. Vielmehr sind es boshafte Menschen, die der Sprache und Rhetorik mächtig sind. Mittels ihrer Sprachgewandtheit verführen sie die Herzen ihrer Zuhörer zu bösen Wegen.“[21]

Laut Hirsch bezeichnet dieses Spotten „jene verderbliche und verwerfliche Kunst der entstellenden Rede, die in falscher, aber geistreich bestechender Weise, Niedriges und Gemeines als etwas Hohes und Sittliches, geistig und sittlich Hohes und Heiliges als Torheit und Wertloses darstellt oder geistreich verspottet. Es ist dies die fluchwürdige Kunst der falschen Dialektik und der schlechten Ironie.“ [22]

Luther weiß: „Es sind aber die Spötter, welche er im Psalter überall als ‚die Falschen‘ und ‚die falsche Zunge‘ anklagt, da sie unter dem Schein der gesunden Lehre das Gift irriger Lehre vorsetzen.“[23] Franz Delitzsch[24] erklärt, dass Spötter das, was göttlich, heilig und wahr ist zum Gegenstand ihrer frivolen Scherze machen.[25] Und der britische Theologe Derek Kidner hält sie mit Bezug auf Sprüche 3,34 für die schlimmsten Sünder, weil sie am weitesten von der Buße entfernt sind.[26] Luther schließlich wirft den Spöttern vor: „Denn was kann es Schändlicheres geben als die Täuschung, daß man den Seelen, die da dürsten nach der reinen Wahrheit, tödtliches Gift gebe?“[27]

Jesus warnt: „Für jedes fruchtlose Wort, das die Menschen reden, werden sie Rechenschaft ablegen müssen am Tag des Gerichts. Denn aufgrund deiner Worte wirst du gerechtfertigt werden und aufgrund deiner Worte wirst du verurteilt werden“ (Matthäus 12,36-37). Es ist gewiss kein Zufall, dass diese Warnung in einem Zusammenhang steht, in dem der Mensch mit einem Baum verglichen wird (Matthäus 12,33) – genau wie später in unserem Text (Psalm 1,3).

Neben den Bösen (רשעים) und Sündern (חטאים) sind diese Spötter (לצים) „die theoretischen Feinde der Tora, wie רשעים [rescha’im, Böse] und חטאים [chata’im, Sünder] die praktischen Übertreter derselben sind. Sehr oft üben Lezim [Spötter] noch aus Gewohnheit oder aus Feigheit die Vorschriften des Gesetzes, machen sich aber über ihre eigene Lebensweise lustig und untergraben mit ihren Reden die Achtung des Sittlichen und Heiligen in der Brust ihrer Nebenmenschen.“[28]

Mit dem Sitzen auf einem Sitz wird gezeigt, dass die Spötter einen Anspruch auf Autorität erheben. Luther erklärt: „Cathedra [der Stuhl], ‚auf dem Stuhle sitzen‘ heißt lehren, ein Meister und Lehrer sein.“ Und: „Auf dem Throne sitzen heißt ein Fürst sein; auf dem Richtstuhl sitzen ein Richter sein.“[29] Ganz gleich welchen der genannten Stühle die Spötter beanspruchen, sie erwarten Aufmerksamkeit, sie lehren, sie richten, sie erwarten, ernstgenommen zu werden, sie erwarten, dass ihrer Ansicht Folge geleistet wird.

Von der Statik zur Flexibilität

Radak erkennt, dass „die drei hier angesprochenen Bewegungen alle Verhaltensweisen eines Menschen beinhalten. Entweder geht er, oder er steht, oder er sitzt. Und das Liegen ist überhaupt ein Sitzen, ganz abgesehen davon, dass ein Mensch meistens schläft, wenn er liegt, und wenn ein Mensch schläft“ – so Radak – „dann tut er weder Gutes noch Böses.“

Rabbi Avraham Ben Me’ir Ibn Esra[30] erinnert an die Beobachtung „der vorangegangenen Weisen“, dass „Stehen schwerer ist als Gehen, und Sitzen hat am meisten Gewicht von allen.“ Die Abfolge von „Gehen“, „Stehen“ und „Sitzen“ zeichnet einen Vorgang, eine Entwicklung an, die letztendlich zum „Festsitzen“ führt.

Das positive Pendant zu der dreifachen Warnung nicht im Rat der Gottlosen zu gehen, nicht auf dem Weg der Sünder zu stehen, und nicht auf dem Sitz der Spötter zu sitzen, sehen jüdische Schriftausleger[31] im traditionellen Glaubensbekenntnis des jüdischen Volkes, dem so genannten „Schma‘ Israel“ (5. Mose 6,4-9). Dort wird der Gläubige angehalten, seinen Kindern die Worte Gottes zu „wiederholen“ (Vers 7), das heißt, sie das Wort Gottes zu lehren (vergleiche 5. Mose 11,19). Diese Anweisung wird konkretisiert mit den Worten „wenn du in deinem Haus sitzt, wenn du auf dem Weg gehst, wenn du dich hinlegst und wenn du aufstehst“. Wie Psalm 1 beschreibt Mose eine Entwicklung, die allerdings beim Bösen vom „Gehen“ über das „Stehen“ zum „(Fest-)Sitzen“ führt, wogegen sie beim Guten vom „Sitzen im Haus“ zum „Gehen auf dem Weg“ führt und schließlich im „Aufstehen“ ihr Ziel findet.

Fußnoten:

[1] Vergleiche dazu Derek Kidner (Psalms 1-72. An Introduction & Commentary, TOTC (Leicester/England and Downers Grove, Illinois/USA: Inter-Varsity, 1973), 49f.) und C.F. Keil and F. Delitzsch (Psalms 1-35, Commentary on the Old Testament vol.5/1. Translated by Francis Bolton (Peabody, Massachusetts/USA: Hendrickson Publishers, February 1989), 82.).

[2] Derek Kidner, Psalms 1-72. An Introduction & Commentary, TOTC (Leicester/England and Downers Grove, Illinois/USA: Inter-Varsity, 1973), 50 n. 1.

[3] So etwa Amos Chacham (עמוס חכם, ספר תהלים, ספרים א-ב, מזמורים א-עב (ירושלים: הוצאת מוסד הרב קוק, הדפסה שביעית תש”ן/1990), ג, י.] mit Verweis auf den Babylonischen Talmud, Traktat Berachot 9b-10a.

[4] Rabbi David Ben Yosef Kimchi (1160-1235) der so genannte „Radak“, war der Erste unter den großen Schriftauslegern und Grammatikern der hebräischen Sprache. Er wurde im südfranzösischen Narbonne geboren. Sein Vater starb früh, so dass David von seinem Bruder Mosche Kimchi erzogen wurde. Radak erlaubte philosophische Studien nur denjenigen, deren Glaube an Gott und Furcht des Himmels gefestigt sind. Öffentlich setzte er sich mit Christen auseinander und griff vor allem deren allegorische Schriftauslegung und die theologische Behauptung an, das „wahre Israel“ zu sein.

[5] (1808-1888), stammte aus Hamburg und diente als Oberrabbiner in Oldenburg, Aurich, Osnabrück, in Mähren und Österreichisch-Schlesien. Als profilierter Vertreter der Orthodoxie war er ein ausgesprochener Gegner des Reform- und konservativen Judentums. Hirsch legte großen Wert auf das Studium der gesamten Heiligen Schrift. Ab 1851 war er Rabbiner der separatistischen orthodoxen „Israelitischen Religions-Gesellschaft“, engagierte sich im Bildungsbereich und veröffentlichte das Monatsmagazin „Jeschurun“. Hirsch hatte eine große Liebe zum Land Israel, war gleichzeitig aber ein Gegner der proto-zionistischen Aktivitäten von Zvi Hirsch Kalischer. Er wird als einer der Gründungsväter der neo-orthodoxen Bewegung gesehen.

[6] Samson Raphael Hirsch, Psalmen (Basel: Verlag Morascha, 2. Neubearbeitete Auflage 2005), 1.

[7] C.F. Keil and F. Delitzsch, Psalms 1-35, Commentary on the Old Testament vol.5/1. Translated by Francis Bolton (Peabody, Massachusetts/USA: Hendrickson Publishers, February 1989), 83.

[8] C.F. Keil and F. Delitzsch, Psalms 1-35, Commentary on the Old Testament vol.5/1. Translated by Francis Bolton (Peabody, Massachusetts/USA: Hendrickson Publishers, February 1989), 82f. Derek Kidner, Psalms 1-72. An Introduction & Commentary, TOTC (Leicester/England and Downers Grove, Illinois/USA: Inter-Varsity, 1973), 47. Heinz Schumacher, Die Psalmen (Neuhausen/Stuttgart: Hänssler-Verlag, 2. Auflage 1995), 1. Charles Haddon Spurgeon, Die Schatzkammer Davids. Eine Auslegung der Psalmen von C. H. Spurgeon. In Verbindung mit mehreren Theologen deutsch bearbeitet von James Millard. I. Band (Wuppertal und Kassel/Bielefeld: Oncken Verlag/Christliche Literatur-Verbreitung, 1996), 8.

[9] Samson Raphael Hirsch, Psalmen (Basel: Verlag Morascha, 2. Neubearbeitete Auflage 2005), 1, mit einem Verweis auf den mittelalterlichen Kommentar Jalkut Schimoni zur Stelle.

[10] Johann Georg Walch (hg.), Dr. Martin Luthers Sämtliche Schriften. Vierter Band. Auslegung des Alten Testaments (Fortsetzung). Auslegung über die Psalmen (Groß Oesingen: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms, 2. Auflage, 1880-1910), 222.

[11] Johann Georg Walch (hg.), Dr. Martin Luthers Sämtliche Schriften. Vierter Band. Auslegung des Alten Testaments (Fortsetzung). Auslegung über die Psalmen (Groß Oesingen: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms, 2. Auflage, 1880-1910), 223-224.

[12] Samson Raphael Hirsch, Psalmen (Basel: Verlag Morascha, 2. Neubearbeitete Auflage 2005), 1.

[13] Meir Leibusch Ben Jechiel Michael Weiser (1809-1879) stammte aus der Ukraine und wirkte als Rabbiner, Talmudist, Bibelausleger und Prediger. Während seiner Zeit als Rabbiner in Kempen, Posen, (1845-1859) erhielt er den Beinamen „Kempner Maggid“. Als unerbittlicher Gegner der Reformbewegung und der jüdischen Aufklärung geriet der Malbim in Konflikt mit jüdischen wie nichtjüdischen Instanzen, wurde verleumdet und verhaftet. Er amtierte als Oberrabbiner von Rumänien, Königsberg und Mecklenburg. Seine Bibelauslegung konzentriert sich auf die „Tiefe der Sprache“ und die „grundlegende Bedeutung des Textes“ „basierend auf genauen linguistischen Regeln“.

[14] Samson Raphael Hirsch, Psalmen (Basel: Verlag Morascha, 2. Neubearbeitete Auflage 2005), 2.

[15] Johann Georg Walch (hg.), Dr. Martin Luthers Sämtliche Schriften. Vierter Band. Auslegung des Alten Testaments (Fortsetzung). Auslegung über die Psalmen (Groß Oesingen: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms, 2. Auflage, 1880-1910), 222.

[16] Samson Raphael Hirsch, Psalmen (Basel: Verlag Morascha, 2. Neubearbeitete Auflage 2005), 1.

[17] Samson Raphael Hirsch, Psalmen (Basel: Verlag Morascha, 2. Neubearbeitete Auflage 2005), 1.

[18] Johann Georg Walch (hg.), Dr. Martin Luthers Sämtliche Schriften. Vierter Band. Auslegung des Alten Testaments (Fortsetzung). Auslegung über die Psalmen (Groß Oesingen: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms, 2. Auflage, 1880-1910), 224.

[19] Samson Raphael Hirsch, Psalmen (Basel: Verlag Morascha, 2. Neubearbeitete Auflage 2005), 2.

[20] Amos Chacham (1921-2012) wurde in Israel bekannt als Gewinner des ersten israelischen und weltweiten Bibelquiz. Sein behinderter Vater, Noach Chacham, war ein jüdischer Bibellehrer, der 1913 von Wien nach Jerusalem übergesiedelt war. Er hatte den einzigen Sohn aus Angst vor einem Sprachfehler nicht an eine öffentliche Schule geschickt, sondern in äußerst ärmlichen Verhältnissen selbst ausgebildet. Das Bibelquiz im August 1958 offenbarte sein Genie und begründete seine legendäre Laufbahn als Schriftausleger. Seine Auslegungen liegen mir nur in hebräischer Sprache vor.

[21] עמוס חכם, ספר תהלים, ספרים א-ב, מזמורים א-עב (ירושלים: הוצאת מוסד הרב קוק, הדפסה שביעית תש”ן/1990), ג.

[22] Samson Raphael Hirsch, Psalmen (Basel: Verlag Morascha, 2. Neubearbeitete Auflage 2005), 2.

[23] Johann Georg Walch (hg.), Dr. Martin Luthers Sämtliche Schriften. Vierter Band. Auslegung des Alten Testaments (Fortsetzung). Auslegung über die Psalmen (Groß Oesingen: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms, 2. Auflage, 1880-1910), 225.

[24] Franz Julius Delitzsch (1813-1890) war ein deutscher, lutherischer Theologe und Hebraist. Er lehrte an den Universitäten Rostock, Erlangen und Leipzig. Delitzsch hatte eine ungewöhnliche Kenntnis des rabbinischen Schrifttums. Am bekanntesten sind seine Übersetzung des Neuen Testaments ins Hebräische und eine Kommentarserie über das Alte Testament, die von Carl Friedrich Keil herausgegeben wurde. 1880 gründete Delitzsch in Leipzig das Institutum Judaicum. Der Judenmissionar John Duncan schrieb über Professor Delitzsch, er habe „an der göttlichen Autorität und Inspiration des ganzen Alten Testaments festgehalten“ in einer Zeit, in der dies „viele aufzugeben schienen“.

[25] C.F. Keil and F. Delitzsch, Psalms 1-35, Commentary on the Old Testament vol.5/1. Translated by Francis Bolton (Peabody, Massachusetts/USA: Hendrickson Publishers, February 1989), 84.

[26] Derek Kidner, Psalms 1-72. An Introduction & Commentary, TOTC (Leicester/England and Downers Grove, Illinois/USA: Inter-Varsity, 1973), 48.

[27] Johann Georg Walch (hg.), Dr. Martin Luthers Sämtliche Schriften. Vierter Band. Auslegung des Alten Testaments (Fortsetzung). Auslegung über die Psalmen (Groß Oesingen: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms, 2. Auflage, 1880-1910), 225.

[28] Samson Raphael Hirsch, Psalmen (Basel: Verlag Morascha, 2. Neubearbeitete Auflage 2005), 2.

[29] Johann Georg Walch (hg.), Dr. Martin Luthers Sämtliche Schriften. Vierter Band. Auslegung des Alten Testaments (Fortsetzung). Auslegung über die Psalmen (Groß Oesingen: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms, 2. Auflage, 1880-1910), 224f.

[30] (1089-1164) ist einer der herausragenden Dichter, Sprachwissenschaftler, Schriftausleger und Philosophen des Mittelalters. Er stammte aus Toledo im damals muslimischen Spanien. Weite Reisen führten ihn durch ganz Nordafrika bis ins Land Israel. Fast alle seine Bücher schrieb er in den letzten 24 Jahren seines Lebens. Auf der Flucht vor muslimischen Judenverfolgungen bereiste er in dieser Zeit das christliche Europa. 1161 verliert sich seine Spur im französischen Narbonne. Bekannt ist, dass er im Januar 1164 starb. Unbekannt ist, wo das geschah – Rom, Spanien oder auch England stehen zur Debatte. Ibn Esra bestritt als ausgesprochener Rationalist als erster, dass Mose den Pentateuch geschrieben hat, glaubte aber an die prophetische Bedeutung astrologischer Erscheinungen – was etwa Rambam als Götzendienst entschieden ablehnte. Da seine Werke auf Hebräisch verfasst sind, machte er dem europäischen Judentum den geistigen Reichtum orientalisch-jüdischer Schriftauslegung, die weitgehend in arabischer Sprache überliefert ist, zugänglich. Besonders wertvoll sind seine exakten grammatikalischen Studien, wobei er sich immer um den ursprünglichen, wörtlichen Sinn des Textes bemüht.

[31] עמוס חכם, ספר תהלים, ספרים א-ב, מזמורים א-עב (ירושלים: הוצאת מוסד הרב קוק, הדפסה שביעית תש”ן/1990), ד.

Bitte informieren Sie mich über neue Artikel