Der Mensch denkt, Gott lenkt

  • März 5, 2013
israelnetz

Liebe Leser,

„Der Mensch denkt, Gott lenkt“ sagt der Volksmund in Anlehnung an den weisen König Salomo (Sprüche 16,9). Was Menschen denken – oder vorgeben zu denken –, können wir uns anhören, zu verstehen suchen und entsprechend weitergeben. Das ist die Hauptaufgabe des Israelreports. In dieser Ausgabe bieten wir Ihnen wieder 16 Seiten menschlicher Gedanken aus und über Israel.

Das Lenken Gottes zu verstehen ist etwas anderes. Man kann nicht so einfach fragen – und bekommt noch schwieriger eine klare Antwort. Persönlich habe ich viele Fragen, kann das Lenken Gottes nicht verstehen – sei das angesichts menschlichen Leidens im Einzelfall, wenn etwa ein Mensch durch furchtbare Krankheitsnöte gehen muss. Sei das angesichts des schrecklichen Blutbads, das immer noch euphemistisch als „Arabischer Frühling“ bezeichnet wird.

Ich bin überzeugt, dass Gott das letzte Wort behalten wird. Aber kann man sich’s dann so einfach machen und sagen: Im Rückblick wird schon alles klar werden? Oder, frei nach David Rubinger, der selbst von einem persönlichen Glauben an Gott nicht viel hält, aber im Blick auf die Geschichte meint: Der Sieger bestimmt im Nachhinein, was Recht und was Unrecht ist?

Wir können nicht bis ans Ende aller Zeiten warten, um den Willen Gottes und sein Handeln zu erkennen. Natürlich wird Gott Recht behalten. Aber wir müssen schon heute fragen: Herr, was tust Du? Was willst Du? Und – vor allem! – wie entscheide ich heute so, dass es Deinem Willen entspricht?!

Mir fällt auf, wie versessen die Welt auf Israel schaut, meint, den israelisch-arabischen Konflikt lösen und bei jeder noch so kleinen Problematik in und um Israel Stellung beziehen zu müssen – während gleichzeitig weltweit sträflich Gleichgültigkeit geübt wird. Die so genannte Zwei-Staaten-Lösung wird kein einziges Problem dieser Region lösen, sondern – sollte sie überhaupt umsetzbar sein – lediglich etwas Verantwortung von jüdischen Schultern auf palästinensische verlagern. Israelis werden dadurch aber die Palästinenser nicht los – und umgekehrt auch nicht. Warum ist die Zwei-Staaten-Lösung trotzdem so sakrosankt? Warum grenzt es an journalistischen Selbstmord, auch nur ein Fragezeichen hinter sie zu machen? Warum werden alle Alternativen verschwiegen, die Entdeckung und Entwicklung neuer Wege von vornherein abgewürgt?

Im Gespräch mit Rubinger hat mich eine Aussage besonders gepackt: „Seit ich den Staat Israel habe, ist Antisemitismus nicht mehr mein Problem. Er ist euer Problem!“ Rubinger hat Recht. Israel existiert und lebt, ob wir das wollen oder nicht; mit und ohne uns und nicht selten ganz anders, als wir das gerne hätten.

Wer oder was macht Israel trotzdem zu unserem Problem? Könnte es sein, dass auch Leute, die mit dem lebendigen Gott überhaupt nichts am Hut haben, irgendwo, ganz tief drin spüren, dass sich mit unserer Stellung zum jüdischen Volk mehr entscheidet, als wir denken? Die Bibel redet mehrfach davon, dass sich an unserer Stellung zum jüdischen Volk unsere Beziehung zum Gott Israels zeigt. Deshalb wird Gott im Endgericht die Völker auch genau danach fragen; nach ihrer Beziehung zu Israel (vergleiche Joel 4,1f.; Matthäus 25,31ff).

Antisemitismus ist nicht Israels Problem. Antisemitismus ist unser Problem!

Mit herzlichem Gruß aus Jerusalem bleibe ich,

Ihr Johannes Gerloff

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