Der Irak-Krieg aus israelischer Sicht

  • Februar 24, 2003
idea

EDITORIAL FÜR IDEA-SPEKTRUM

Liebe Leser!

Wie versiegelt man einen Raum zum Schutz gegen einen Gasangriff? Welche Lebensmittel sollten für alle Fälle im Haus sein? Wie setzt man eine Gasmaske auf? Das sind die Fragen, die in der israelischen Bevölkerung diskutiert werden.

Viele Bewohner der Küstenebene sehen sich seit Wochen nach einer Ausweichmöglichkeit um, haben Hotelzimmer am Toten Meer, in Jerusalem oder Eilat reserviert, oder ein Flugticket ins Ausland gebucht.

Eine Broschüre der Abteilung „Heimatfront“ der israelischen Armee klärt die Bevölkerung auf, welche Art biologischer oder chemischer Angriffe möglich ist und wie man sich am sinnvollsten auf den Ernstfall einrichtet. Auch wenn ein Raketenangriff des Irak von Militärexperten für unwahrscheinlich eingestuft wird, man will auf alle Fälle vorbereitet sein.

Dabei bleibt aber immer noch Zeit und Nerv für die Diskussion, ob die Familienmutter auf der Titelseite der Armeebroschüre mit einem Rollkragenpullover ausreichend züchtig gekleidet ist. Teile der ultra-orthodoxen Bevölkerung haben sich vorsorglich entschlossen, die Verteilung des Heftes erst einmal zu boykottieren.

Manchmal zwischen den Zeilen, manchmal offen, kommt die Genugtuung darüber zum Ausdruck, daß Amerika jetzt endlich ernst macht mit dem Machthaber im Zweistromland, der sich die Vernichtung des jüdischen Staates so offen auf die Fahnen geschrieben hat. Im Rahmen der weltweiten Antikriegsdemonstrationen, verschafften sich auch in Tel Aviv Kriegsgegner Gehör. Insgesamt ist die Debatte um den anstehenden Golfkrieg im sonst so diskussionsfreudigen jüdischen Volk aber eher verhalten, seltsam still.

Den Widerstand der Europäer gegen das Vorhaben der Amerikaner können die meisten Israelis nicht verstehen. Nicht Loyalitätsgefühle gegenüber dem großen Protektor werfen hier ernsthafte Fragen auf. Eigentlich müsste doch gerade Europa verstehen, daß man einem massenmörderischen Diktator, der nicht davor zurückschreckt, das eigene Volk zu vergasen, rechtzeitig mit allen Mitteln Einhalt gebieten muß.

Eher profitlich wird immer wieder daran erinnert: „Was wäre, wenn wir 1981 nicht den irakischen Atomreaktor Osirak bombardiert hätten?!“ Durch den tragischen Tod des ersten israelischen Astronauten am 1. Februar beim Absturz der Raumfähre Columbia wurde dieser Militärschlag ganz aktuell. Ilan Ramon war einer der wagemutigen israelischen Piloten, die den Präventivschlag gegen den Irak durchführten.

„Wie hast Du Dich auf den Krieg vorbereitet?“ Auf diese Frage ist im Gespräch unter Freunden aber auch immer wieder der vielsagende, nach oben gerichtete Zeigefinger zu sehen. „Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat!“ (Psalm 121,2). Das ist für viele Israelis, die vom eigenen Militärdienst her um die Grenzen ihrer Armee wissen, mehr als nur ein Gebet in der Synagoge.

Wir haben einen Vater im Himmel, ohne dessen Willen nicht ein Haar von meinem Kopf verloren geht (Lukas 21,18). Ohne seine Zulassung kann weder Saddam Hussein noch Osama Bin Laden auch nur einen Atemzug tun. In diesem Sinne grüßt Sie voller Zuversicht und Hoffnung aus Jerusalem,

Johannes Gerloff

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