Denn Er ist gut, auch im Straßenverkehr

  • September 5, 2019
L1020724 (1024x574)

Sind sie schon mal auf dem Ölberg Auto gefahren? Auf beiden Seiten der Straße parken Autos, zum Teil in zwei Reihen. Dazwischen versuchen nicht nur Personenwagen, sondern auch große Zubringerlastwägen und vor allem Touristenbusse durchzukommen. Auf der Straße selbst erscheinen immer wieder Schulkinder, verschleierte moslemische Frauen, alte Herrn, die einfach nur herumstehen und alles beobachten oder ein junger Mann, der mit einem Karton voller Eier zwischen den Autos balanciert. Der hat mich aber erschrocken!!!

Alle paar hundert Meter zeigt ein Schild den Weg zu einer Kirche. Da steigen dann die Touristengruppen aus und versuchen ebenfalls die Straße zu überqueren. Beim Autofahren möchte ich nicht der Mentalität erliegen – „Wer sich durchzwängt, der kommt durch!“ – und halte anständig vor einem Zebrastreifen an. Dort wartet eine bunte Gruppe von indischen Frauen und schaut sich unsicher herum, während die mutigeren Pilgerfrauen bereits auf der anderen Seite auf sie warten. Sie eilen wahrscheinlich in die Himmelfahrtskirche, denn Augusta Viktoria ist schon glücklich hinter mir und Pater Noster noch ein Stück vor mir. „Bum“! Jemand ist mir hinten reingefahren. Was fällt mir auch nur ein, vor einem Zebrastreifen anzuhalten…

Vor kurzem ist mir in einer ähnlichen Situation ein junger Mann aus Sri Lanka hinten aufgefahren. Er war in Jerusalem auf der Arbeitssuche. Ich bin verunsichert. Ein Trauma ist mir geblieben, obwohl es auf dem Ölberg nur die Stoßstange war. Gott sei Dank habe ich vor der Fahrt ein Stoßgebet zum Himmel gesandt: „Herr, hilf mir, auf dem Ölberg durchzukommen!“ Sri Lanka hat nur ein Loch mit einer Schraube gemacht, mit der provisorisch das Kennzeichen des Wagens befestigt wurde. Gibt es bei ihnen auch solche Straßenübergänge?

Am Sonntag muss ich ins Zentrum von Jerusalem fahren. Es ist der Wochenanfang und der Straßenverkehr am Schlimmsten. Ich schalte die schlaue israelische Navigation „Waze“ an. Sie führt mich durch enge Gassen eines ultraorthodoxen Viertels um den Stau herum. Auch hier kann den Autofahrer ein kleines Kind überraschen, dass seine Geschwister in den Kindergarten bringt: „Nur nicht jemanden überfahren und gleichzeitig, dass mir niemand hinten reinfährt …!“ Vom Navi ertönt: “Biegen sie links ab in die ‘Denn Er ist gut’ Straße!” Ich bin erleichtert. Ja, da biege ich gerne ab. Und ich bin froh, dass ich in Jerusalem leben und Autofahren darf!

Bitte informieren Sie mich über neue Artikel