Der Aufschrei. Psalm 2 – siebter Teil

  • Dezember 3, 2017
Sukkot

Der gesalbte Gottesknecht in Psalm 2 nimmt den schrecklichen Auftrag, die Völker mit einem eisernen Stab zu zerschlagen (Vers 9), nicht emotionslos entgegen. Er schreit auf: „Seid einsichtig, Könige! Lasst euch warnen, Richter der Erde“ (Vers 10). Der Messias ruft die Mächtigen der Welt auf: „Richtet hierauf euren Verstand, bringt euch dies zum Verständnis!“[1] Er fordert sie auf, innezuhalten und ihre Intelligenz und ihr Unterscheidungsvermögen zum Einsatz zu bringen.[2]

Historisch ordnet Radak[3] diese Aussage David, dem Sohn Ischais, zu, der dies tausend Jahre vor unserer Zeitrechnung den Philisterkönigen zurief, die gekommen waren, um gegen ihn zu kämpfen. Der Ruf, im Angesicht des lebendigen Gottes, Vernunft anzunehmen, durchzieht aber die Jahrtausende bis in die Gegenwart hinein, wo immer das Volk Israel seine prophetische Aufgabe wahrgenommen hat. Raschi[4] meint zu dieser Stelle: „Die Propheten Israels sind barmherzige Menschen. Sie ermahnen die Völker der Welt, von ihrer Bosheit abzuweichen, weil der Heilige, gelobt sei Er, seine Hand Bösen und Gerechten gleichermaßen entgegenstreckt.“

Propheten, die dem Herzschlag ihres Gottes verbunden waren, haben sich nie widerspruchslos in eine Gerichtsankündigung ergeben. Fatalismus ist der Bibel fremd. Abraham, Mose, Samuel, Jeremia und Daniel sind nur einige, für die ein Gerichtswort Anlass war, Gott ins Angesicht zu widersprechen, mit ihm zu verhandeln. Die vornehmste Aufgabe eines Propheten ist immer die Fürbitte vor Gott und dann, ganz selbstverständlich, der flehende Aufruf zur Umkehr an diejenigen, denen das Gericht gilt. Auch heute gehen Rabbiner davon aus, dass nur die guten Verheißungen Gottes unumstößlich feststehen. Wenn Gott Böses vorhersagt, ist das Unglück nicht unabwendbar. Gott lässt immer durch die Umkehr eines Sünders mit sich reden und sich sogar umstimmen.

Abraham Ibn Esra[5] beobachtet die poetische Struktur von Ps 2 und stellt fest: „Das ‚Seid einsichtig!‘ [in Vers 10] ist das Gegenteil von ‚gegen den Herrn sein‘ [in Vers 2].“ Die „Richter“ stehen „parallel zu den ‚Königen‘, weil tatsächlich die Hauptaufgabe des Königs war, das Volk zu richten.“[6]

Samson Raphael Hirsch[7], der in seinen Auslegungen viele Feinheiten der hebräischen Sprache auf einzigartige Weise zum Glänzen zu bringen vermag, macht auch hier auf Verflechtungen innerhalb des Psalms aufmerksam, die man nur im Hebräischen nachvollziehen kann: Das „הִוָּסְרוּ“ (hivasru), „Lasst euch warnen!“, bedeutet: „Unterwerft euch selbst dem מוסר (musar), der Belehrung und Zucht“.[8] Und Ibn Esra sieht, dass das „הִוָּסְרוּ“ (hivasru) das Gegenteil von „ihre Bande“ (מֹוסְרֹותֵימֹו, mosrotemo) ist, die die nichtjüdischen Völker und ihre Machthaber in Vers 3 von sich zu werfen suchen.

Die Botschaft dieses Psalms ist poetisch bis in die Wahl der Formulierungen und den Gebrauch der Wortwurzeln hinein geflochten. Er zeigt durch klangähnliche und miteinander verwandte Worte, dass „Buße“ eine ganz bewusste Kehrtwendung ist, ein bewusstes sich gegen den Strom wenden, mit dem man zuvor geschwommen ist. So eine Umkehr ist sogar in der Lage, einen feststehenden Beschluss Gottes zu wenden.

Amos Chacham[9] betont: „Obwohl der Herr [dem messianischen Gottesknecht] die Vollmacht verliehen hat, [die rebellischen Völker] zu vernichten, hat er doch keinen Gefallen an ihrem Untergang. Vielmehr will er, dass sie auf dem guten Weg gehen.“[10] Der Gott Israels sucht die Einsicht, die Umkehr und Heilung dessen, der auf Abwege geraten ist. Biblische Prophetie ist immer Ruf zur Buße. Deshalb sind Gerichtsvorhersagen in der Heiligen Schrift nie bedingungslos und unumkehrbar.

Dieser Herzschlag Gottes und seiner Vertrauten ist schon in den ersten Worten von Ps 2 hörbar. Luther meint: „Denn auch der Prophet, gleichsam als thue ihm ihr Frevel von Herzen leid, fängt mit einer Frage an, nämlich: ‚Warum toben sie?‘ Warum machen sie sich selbst zum Gespötte? Weshalb nehmen die Thoren unmögliche Dinge vor? O daß sie doch zu Verstande kämen und klug würden.“[11] Und Radak paraphrasiert die Grundbotschaft des Psalmisten: „Erkennt, dass ihr keine Möglichkeit habt, das Tun Gottes aufzuheben. Er hat über mir geboten, König zu sein. Wie könnt ihr euch ‚gegen den Herrn‘ wenden? Kommt zur Einsicht! Nehmt es euch zu Herzen! Denn ihr könnt das Werk des Herrn nicht durchkreuzen.“

Martin Luther beobachtet zudem die Zivilcourage des Messias: „Aber wie kühn und, wie wir heutzutage zu reden pflegen, wie aufrührisch und ärgerlich ist dieser überaus freche Prophet, welcher seinen Mund in den Himmel setzt, und sich untersteht, nicht die Niedrigsten und das gemeine Volk, sondern die höchsten Häupter und selbst Könige anzugreifen, und die zu lehren, welche, aufgeblasen durch den Titel und das Amt, daß sie Lehrer der Leute sind, und sicher durch den Brauch und die Ehre, die ihnen nach ihrem Wahn gebührt (opinionis honore), diese überaus große Beschimpfung nicht leiden können.“[12]

„Dient dem Herrn mit Ehrfurcht“, ruft der Gesalbte Israels den gegen den Herrn vereinten Nationen zu: „Jubelt mit Zittern!“ (Vers 11). „Wollt, was er will und dient ihm! Fürchtet euch vor ihm und erkennt, dass ihm die Kraft und die Macht zusteht und nicht euch, die ihr mit einer großen Menge gekommen seid“ (Radak).

Luther wagt einzuwenden: „Das ist ein wunderlicher Ausspruch und in unseren Augen ungereimt. Denn Furcht wirkt Haß und Fliehen, nicht Dienst (famulatum), und Zittern ist der Freude völlig entgegen.“[13] Doch so widersprüchlich das auch für einen modernen Menschen zu sein scheint. Schon Paulus wusste: „Sein Mitgefühl für euch ist überwältigend, wenn er an euer aller Gehorsam denkt, wie ihr ihn mit Furcht und Zittern aufgenommen habt“ (2. Kor 7,15). Und Raschi erinnert an Jes 33,14, wo ebenfalls von einem Zittern die Rede ist, das die Abtrünnigen erfasst. Letztlich führt diese Furcht zu Jubel und Freude, „wenn euer Dienst dem Herrn gilt.“ Hirsch bringt dieses geistliche Prinzip trefflich auf den Punkt: „Die aus Reada [= Furcht und Zittern] erwachsene, von Reada getragene Gila [= Freude] ist die höchste Glückseligkeit, deren ein mit Bewusstsein begabtes Geschöpf vor seinem Schöpfer, deren ein Mensch vor seinem Gott fähig ist.“[14]

Der Psalmist plädiert: Erstens, „Kommt zu Sinnen!“ (Vers 10); zweitens, „Dient dem Herrn“ (Vers 11) – und Drittens: „Küsst den ‚Bar‘ (בַר)“ (Vers 12a).

Chacham[15] beginnt seine Überlegungen zu diesen Worten mit der Feststellung: Das ist „eine sehr versiegelte Rede“. Wer ist der „Bar“ (בַר)? Und was bedeutet es, ihn zu küssen? „Jemanden zu küssen, bedeutet, ihm zu huldigen. So küsst Samuel den Saul (1. Sam 10,1), um dadurch zum Ausdruck zu bringen, dass er ihm huldige.“[16] In Apg 10,25f. fällt der römische Hauptmann Kornelius vor Petrus auf die Erde, als der sein Haus in Cäsarea betritt, und huldigt ihm, betet ihn an. Radak erinnert an den antiken Brauch, dass Sklaven die Hand ihres Herrn küssen.

„Ein Götterbild zu küssen, bedeutete, seine Gottheit anzuerkennen“, bemüht sich Amos Chacham mit Verweis auf Hos 13,2 und Hiob 31,27 um eine Deutung. Dann wendet er allerdings selbst ein: „Vom Gott Israels gibt es gar kein Bild, das man küssen könnte“, um zu dem Schluss zu kommen: „Deshalb ist ‚Küsst Bar‘ entsprechend Ps 18,21 auszulegen. Dort heißt es ‚Entsprechend der Reinheit meiner Hände (כְּבֹר יָדַי) vergelte mir‘.“ ‚Bar‘ (בר) wird im Hebräischen genauso geschrieben wie das Wort ‚Reinheit‘ (בר, bor) in Ps 18,21. Chacham entscheidet: „Das bedeutet: ‚Küsst die Reinheit‘, denn im Gottesdienst gibt es keinen Platz für einen echten Kuss, sondern nur für einen symbolischen Kuss, um der Reinheit anzuhängen.“[17]

Damit knüpft der israelische Schriftausleger Amos Chacham an eine breite Auslegungstradition an, die sich sowohl im Judentum wie im Christentum zurückverfolgen lässt. Hirsch erklärt „בר [bar], von ברר [barar], das Lautere“.[18] Radak stellt einen Zusammenhang zu Ps 73 her, den der Psalmist Asaph mit der Aussage beginnt, dass „Gott nur gut ist für Israel, [nämlich] für diejenigen, die reinen Herzens (לְבָרֵ֥י לֵבָֽב) sind.“

Martin Luther verweist darauf, dass „Hieronymus im hebräischen Psalter übersetzt hat: Betet in reiner Weise (pure) an, weil בר [bar] auch rein und auserwählt bedeutet.“ „In der Vulgata lautet diese Stelle: Apprehendite disciplinam ne quando irascatur dominus, et pereatis de via justa, das ist: Nehmet Zucht an damit der Herr nicht einmal zürne, und ihr umkommet von dem rechten Wege.“ Allerdings, muss der deutsche Reformator dann selbst zugeben, dass nirgends „בר [bar] gesagt [wird], um die ‚Zucht‘ zu bezeichnen.“[19]

Der britische Exeget Derek Kidner möchte das Wörtchen „bar“ als Adverb verstanden wissen und übersetzt die beiden ersten hebräischen Worte von Vers 12 mit „küsst ernsthaft“, das heißt, „bietet wahrhaftige Huldigung“ – verweist dann allerdings selbst darauf, dass bereits in den Versen 7ff. vom „Sohn“ die Rede war und die Implikationen dieses Titels zweifellos mitschwingen.[20]

Chacham erinnert noch an Ausleger, die das Wort „küssen“ (נשק, naschak) von „Wirtschaft“ (משק, meschek) ableiten. Das würde dann zu einer Übersetzung führen, die ein Opfer für den König Israels als Zeichen der Unterwerfung der nichtjüdischen Völker fordert.[21]

Ibn Esra leitet die Aufforderung „küsst“ (נשקו, naschku) vom hebräischen Wort für „Waffe“ (נשק, neschek) ab und meint: „Das würde dann bedeuten: legt die Waffen des Sohnes, das heißt, reine Waffen an“. Unversehens landet dieser mittelalterliche spanische Exeget dann wieder bei „בר, bar“ wie „ברי-לבב, barei levav“, das heißt, bei denen, die „reinen Herzens“ sind.

Luther[22] hatte – im Anschluss an Burgensis und Lyra – ursprünglich übersetzt: „Küsset den Sohn, daß er nicht zürne, und ihr umkommet auf dem Wege.“ Er verweist für diese Übersetzung zudem auf Hieronymus, der „in seiner kleinen Auslegung (commentariolo) so [sagt]: Im Hebräischen liest man: Nescu bar, was verdolmetscht werden kann: Betet den Sohn an, denn bar bedeutet auch einen Sohn. Daher heiß Simon bar Johanna im Evangelio [Mt 16,17] ‚Jona’s Sohn‘, und bar Ptolemaeus des Ptolemäus Sohn, Barnabas der Sohn eines Propheten, und dergleichen.“ „‚Küssen‘ aber legen sie aus: Huldigung leisten, so daß der Sinn ist: ‚Küsset den Sohn‘, das heißt, nehmet mit Ehrerbietung und Demuth den König und Herrn Christum auf.“

Es gibt Ausleger, die sich aus grammatikalischen Gründen gegen diese Übersetzung wehren.[23] Aber Ibn Esra verweist darauf, dass inhaltlich das „dient dem Herrn“ (Vers 11) dem „gegen den Herrn“ (Vers 2) entspricht, wie auch das „küsst den Sohn“ dem „gegen seinen Gesalbten“. Und Radak erklärt, dass „bar“ „wie ‚ben‘ [Sohn]“ zu verstehen sei, wie es auch in Spr 31,2 heißt: „Was, mein Sohn (בְּרִי, beri), was, Sohn meines Leibes (בַּר־בִּטְנִי, bar-bitni), was, Sohn meiner Gelübde (בַּר־נְדָרָי, bar-nedarai) [soll ich dir sagen?!].“ In diesem hebräischen Text wird das Wort „בר, bar“ dreimal offensichtlich mit der Bedeutung „Sohn“ verwendet.

Radak umschreibt die Aussage der messianischen Gestalt in Ps 2,12 dann folgendermaßen: „Was habt ihr gegen mich? Ich bin doch reinen Herzens. In mir ist keine Verfehlung, dass ihr zu mir kommt und gegen mich kämpft. Stattdessen solltet ihr mich küssen, mir huldigen, und dankbar anerkennen, dass ich König bin aufgrund der Anordnung Gottes.“

Dass die Heidenvölker, die gegen den lebendigen Gott und seinen Messias rebellieren, aufgefordert werden, den Sohn zu küssen, mag auf einigen, der zu Beginn dieser Auslegung erklärten Interpretationsebenen, akzeptabel sein. Aber gilt das für alle Ebenen?

Dass die Philister zu Beginn des ersten Jahrtausends vor Christus König David huldigen sollten, ist vorstellbar. Ebenso, dass die nichtjüdischen Völker sich dem judäischen König zu unterwerfen hatten. Für Christen ist auch nachvollziehbar, dass Ps 2,12 die Huldigung des Christus Jesus von Nazareth beschreibt, in dessen Namen sich einmal alle Knie im Himmel und auf Erden und unter der Erde beugen sollen. Alle Zungen, so schreibt der Apostel Paulus an die Gemeinde im griechischen Philippi, werden einmal bekennen, „dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes des Vaters“ (Phil 2,10f.). Aber gilt dieses „küsst den Sohn“ auch für den Gottessohn Israel? Gilt das auch für die Beziehung der nichtjüdischen Völker mit dem jüdischen Volk? Vielleicht sogar für die Einstellung der christlichen Kirche gegenüber dem Volk Israel?

Ein ähnliches Bild wie das „נַשְּׁקוּ־בַר, naschku-bar“ („Küsst den Sohn“) von Ps 2,12 finden wir in Jes 49,23. Dort kommen nichtjüdische Völker und ihre Könige und Fürstinnen und fallen vor Israel nieder. Der Prophet sieht voraus: „Mit der Nase auf der Erde beten sie dich an und lecken den Staub deiner Füße.“ Die Folge davon ist: „Da wirst du erkennen: Ich bin der Herr. Nicht zuschanden werden diejenigen, die auf mich hoffen.“

An dieser Stelle sei noch einmal an die oben erwähnte Begegnung von Petrus mit dem römischen Hauptmann Kornelius in Cäsarea erinnert (Apg 10,25f.). Dass Petrus den Römer aufrichtet und ihm erklärt: „Steh auf, ich bin auch nur ein Mensch“, bedeutet nicht, dass Kornelius falsch gehandelt hätte. Es unterstreicht lediglich, wie das Verhalten des römischen Gottesfürchtigen gegenüber dem jüdischen Apostel zu deuten war. Wenn Jesus es nicht als Raub erachtete, Gott gleich zu sein, sondern die Gestalt eines Sklaven annahm (Phil 2,6f.), hebt das unsere Stellung ihm gegenüber nicht auf, macht das unsere Anbetung nicht überflüssig. Dasselbe gilt für die Demut des Petrus und die Stellung des Kornelius ihm gegenüber. Auch wenn das sprachlich kaum zu halten ist, liegt dann die Lutherübersetzung von 1984 inhaltlich vielleicht gar nicht so falsch, wenn sie übersetzt „und küsst seine Füße mit Zittern“.

Könnte es sein, dass wir als Nichtjuden in Ps 2,12 aufgefordert werden, dem jüdischen Volk zu huldigen, es zu „küssen“, ihm „die Füße zu lecken“? Und sollten wir das vielleicht tun, nicht, weil wir andere Menschen vergöttern. Sondern ganz einfach, weil wir Gottes Auswahl, Seinen Plan und die heilsgeschichtlichen Kausalzusammenhänge, die uns Sein Wort offenbart, ernstnehmen?! Und vielleicht auch, weil uns wichtig ist, dass die Beziehung zwischen dem Volk Israel und dem Gott Israels in Ordnung kommt; dass Israel „erkennt“, dass der Herr Gott ist. Vielleicht sollte uns das wichtiger sein, als Recht zu behalten, geachtet und geehrt zu werden?

Vielleicht sollten wir Israel aber auch das Gewicht, die Ehre, den Stand zugestehen, den ihm der lebendige Gott verliehen hat, „damit er nicht zürne“, und damit wir „nicht umkommen auf dem Wege“ (Ps 2,12b-c). Denn der lebendige Gott, dessen Wesen und Charakter wir in diesem Psalm ein wenig kennengelernt haben, ist ein heiliger Gott, der „sich nicht spotten lässt. Was der Mensch sät, das wird er ernten.“ Das ist keine Aussage über einen „alttestamentlichen Gott“, dessen zorniges Wesen auf Golgatha „überholt“ wurde. Das ist eine Aussage, die Paulus den nichtjüdischen Jesus-Gläubigen im kleinasiatischen Galatien schreibt (Gal 6,7). „Denn sein Zorn wird in Kürze entbrennen“ (Ps 2,12d) – und um sich greifen, „wie Feuer einen ausgedörrten Wald am Rand des Mittelmeeres verbrennt“ (Ibn Esra).

Fußnoten:

[1] Samson Raphael Hirsch, Psalmen (Basel: Verlag Morascha, 2. Neubearbeitete Auflage 2005), 11.

[2] C.F. Keil and F. Delitzsch, Psalms 1-35, Commentary on the Old Testament vol.5/1. Translated by Francis Bolton (Peabody, Massachusetts/USA: Hendrickson Publishers, February 1989), 97.

[3] Rabbi David Ben Yosef Kimchi (1160-1235) der so genannte  „Radak“, war der Erste unter den großen Schriftauslegern und Grammatikern der hebräischen Sprache. Er wurde im südfranzösischen Narbonne geboren. Sein Vater starb früh, so dass David von seinem Bruder Mosche Kimchi erzogen wurde. Radak erlaubte philosophische Studien nur denjenigen, deren Glaube an Gott und Furcht des Himmels gefestigt sind. Öffentlich setzte er sich mit Christen auseinander und griff vor allem deren allegorische Schriftauslegung und die theologische Behauptung an, das „wahre Israel“ zu sein.

[4] Rabbi Schlomo Ben Yitzchak (1040-1105) oder auch „Rabbi Schlomo Itzchaki“, gemeinhin „Raschi“ genannt, wurde im nordfranzösischen Troyes geboren, studierte zehn Jahre in Mainz und Worms, bevor er wieder nach Troyes zurückkehrte, wo er sich als Richter und Lehrer auszeichnete. In seinen letzten Lebensjahren erlebte er die Judenverfolgungen der Kreuzzüge mit. Raschi gehört zu den ganz großen Auslegern jüdischer Schriften und ist der Erste, der Bibel und Talmud umfassend ausgelegt hat. Seine Grundanliegen waren, die Heilige Schrift unters Volk zu bringen, die Einheit des jüdischen Volkes zu fördern und die theologische Auseinandersetzung mit dem Christentum. Raschi unterschied scharf zwischen „Pschat“ (wörtlicher Auslegung) und „Drasch“ (übertragener, allegorischer Auslegung), wobei der Pschat den Ausschlag gibt. Seine Schriftauslegung hat den Reformator Martin Luther entscheidend geprägt. Obwohl seine Kommentare bis heute zum Standard gehören, schreibt er nicht selten „das weiß ich nicht“.

[5] Rabbi Avraham Ben Me’ir Ibn Esra (1089-1164) ist einer der herausragenden Dichter, Sprachwissenschaftler, Schriftausleger und Philosophen des Mittelalters. Er stammte aus Toledo im damals muslimischen Spanien. Weite Reisen führten ihn durch ganz Nordafrika bis ins Land Israel. Fast alle seine Bücher schrieb er in den letzten 24 Jahren seines Lebens. Auf der Flucht vor muslimischen Judenverfolgungen bereiste er in dieser Zeit das christliche Europa. 1161 verliert sich seine Spur im französischen Narbonne. Bekannt ist, dass er im Januar 1164 starb. Unbekannt ist, wo das geschah – Rom, Spanien oder auch England stehen zur Debatte. Ibn Esra bestritt als ausgesprochener Rationalist als erster, dass Mose den Pentateuch geschrieben hat, glaubte aber an die prophetische Bedeutung astrologischer Erscheinungen – was etwa Rambam als Götzendienst entschieden ablehnte. Da seine Werke auf Hebräisch verfasst sind, machte er dem europäischen Judentum den geistigen Reichtum orientalisch-jüdischer Schriftauslegung, die weitgehend in arabischer Sprache überliefert ist, zugänglich. Besonders wertvoll sind seine exakten grammatikalischen Studien, wobei er sich immer um den ursprünglichen, wörtlichen Sinn des Textes bemüht.

[6] עמוס חכם, ספר תהלים, ספרים ג-ה, מזמורים עג-קן (ירושלים: הוצאת מוסד הרב קוק, הדפסה שישית תש”ן/1990), ח.

[7] Samson Raphael Hirsch (1808-1888) stammte aus Hamburg und diente als Oberrabbiner in Oldenburg, Aurich, Osnabrück, in Mähren und Österreichisch-Schlesien. Als profilierter Vertreter der Orthodoxie war er ein ausgesprochener Gegner des Reform- und konservativen Judentums. Hirsch legte großen Wert auf das Studium der gesamten Heiligen Schrift. Ab 1851 war er Rabbiner der separatistischen orthodoxen „Israelitischen Religions-Gesellschaft“, engagierte sich im Bildungsbereich und veröffentlichte das Monatsmagazin „Jeschurun“. Hirsch hatte eine große Liebe zum Land Israel, war gleichzeitig aber ein Gegner der proto-zionistischen Aktivitäten von Zvi Hirsch Kalischer. Er wird als einer der Gründungsväter der neo-orthodoxen Bewegung gesehen.

[8] Samson Raphael Hirsch, Psalmen (Basel: Verlag Morascha, 2. Neubearbeitete Auflage 2005), 11.

[9] Amos Chacham (1921-2012) wurde in Israel bekannt als Gewinner des ersten israelischen und weltweiten Bibelquiz. Sein behinderter Vater, Noach Chacham, war ein jüdischer Bibellehrer, der 1913 von Wien nach Jerusalem übergesiedelt war. Er hatte den einzigen Sohn aus Angst vor einem Sprachfehler nicht an eine öffentliche Schule geschickt, sondern in äußerst ärmlichen Verhältnissen selbst ausgebildet. Das Bibelquiz im August 1958 offenbarte sein Genie und begründete seine legendäre Laufbahn als Schriftausleger.

[10] עמוס חכם, ספר תהלים, ספרים ג-ה, מזמורים עג-קן (ירושלים: הוצאת מוסד הרב קוק, הדפסה שישית תש”ן/1990), ח.

[11] Johann Georg Walch (hg.), Dr. Martin Luthers Sämtliche Schriften. Vierter Band. Auslegung des Alten Testaments (Fortsetzung). Auslegung über die Psalmen (Groß Oesingen: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms, 2. Auflage, 1880-1910), 258.

[12] Johann Georg Walch (hg.), Dr. Martin Luthers Sämtliche Schriften. Vierter Band. Auslegung des Alten Testaments (Fortsetzung). Auslegung über die Psalmen (Groß Oesingen: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms, 2. Auflage, 1880-1910), 287f.

[13] Johann Georg Walch (hg.), Dr. Martin Luthers Sämtliche Schriften. Vierter Band. Auslegung des Alten Testaments (Fortsetzung). Auslegung über die Psalmen (Groß Oesingen: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms, 2. Auflage, 1880-1910), 292.

[14] Samson Raphael Hirsch, Psalmen (Basel: Verlag Morascha, 2. Neubearbeitete Auflage 2005), 12.

[15] עמוס חכם, ספר תהלים, ספרים א-ב, מזמורים א-עב (ירושלים: הוצאת מוסד הרב קוק, הדפסה שביעית תש”ן/1990), ח.

[16] C.F. Keil and F. Delitzsch, Psalms 1-35, Commentary on the Old Testament vol.5/1. Translated by Francis Bolton (Peabody, Massachusetts/USA: Hendrickson Publishers, February 1989), 98.

[17] עמוס חכם, ספר תהלים, ספרים א-ב, מזמורים א-עב (ירושלים: הוצאת מוסד הרב קוק, הדפסה שביעית תש”ן/1990), ח-ט.

[18] Samson Raphael Hirsch, Psalmen (Basel: Verlag Morascha, 2. Neubearbeitete Auflage 2005), 12.

[19] Johann Georg Walch (hg.), Dr. Martin Luthers Sämtliche Schriften. Vierter Band. Auslegung des Alten Testaments (Fortsetzung). Auslegung über die Psalmen (Groß Oesingen: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms, 2. Auflage, 1880-1910), 295 fn. 1.

[20] Derek Kidner, Psalms 1-72. An Introduction & Commentary, TOTC (Leicester/England and Downers Grove, Illinois/USA: Inter-Varsity, 1973), 53.

[21] עמוס חכם, ספר תהלים, ספרים א-ב, מזמורים א-עב (ירושלים: הוצאת מוסד הרב קוק, הדפסה שביעית תש”ן/1990), ט.

[22] Johann Georg Walch (hg.), Dr. Martin Luthers Sämtliche Schriften. Vierter Band. Auslegung des Alten Testaments (Fortsetzung). Auslegung über die Psalmen (Groß Oesingen: Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms, 2. Auflage, 1880-1910), 295-297.

[23] Etwa Derek Kidner, Psalms 1-72. An Introduction & Commentary, TOTC (Leicester/England and Downers Grove, Illinois/USA: Inter-Varsity, 1973), 53, der darauf verweist, dass der Artikel vor dem Wort „bar“ fehlt und „kiss son“ im Hebräischen so unbeholfen klingt, wie im Englischen – wie auch im Deutschen ein „küsst Sohn“.

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