Aufräumen ist angesagt

  • April 9, 2017
idea

EDITORIAL FÜR IDEA-SPEKTRUM

Liebe Leser,

Ostern fällt dieses Jahr auf das „Fest der ungesäuerten Brote“, das unmittelbar auf das Passafest folgt. In dieser Zeit gedenkt das jüdische Volk des Auszugs aus Ägypten, der Befreiung aus dem Land des Todes und der Sklaverei.

Vor Passa wird in allen jüdischen Haushalten gründlich geputzt. Der letzte Krümel „Gesäuertes“ muss verschwinden. Aufräumen ist angesagt. Das Neue Testament greift diese Sitte mehrfach auf: Wir sollen ebenso gründlich aufräumen, alle Sünde aus unserem Leben fegen, denn Jesus Christus ist unser Passalamm.

Israel beobachtet dieser Tage mit Spannung, wie Donald Trump in Syrien aufräumt. Deshalb bombardierte er eine syrische Luftwaffenbasis in der Nähe von Homs mit 59 Tomahawk-Marschflugkörpern, nachdem das syrische Regime Giftgas eingesetzt hatte. Syriens Präsident Assad beklagt eine feindliche Koalition von „Israel, der Türkei, den USA, Frankreich, Saudi-Arabien, Qatar und anderen Ländern“. Wirklich klar ist nichts im blutigen Durcheinander von Israels nordöstlichem Nachbarn.

Klar ist, dass sich bislang kaum vorstellbare Koalitionen abzeichnen. Im März hatte Israels Luftwaffe gemeinsame Manöver mit Griechenland, den USA, Italien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Offen gibt Amir Eschel, Kommandeur der israelischen Luftwaffe, zu, man habe noch nie mit so vielen Armeen gemeinsam geübt.

Auch politisch ist Vieles in Bewegung. Bislang hat kein einziges Land weltweit auch nur einen Teil Jerusalems als Hauptstadt Israels anerkannt. Trump hatte vor seiner Wahl versprochen, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen. Jetzt ist aus Russland zu hören, man anerkenne Westjerusalem als Hauptstadt des jüdischen Staates.

Doch Israelis sind viel apolitischer, als Journalisten das gerne hätten. Zeitungen veröffentlichen „Last-Minute“-Rezepte für das Passamahl, Nachrichtenwebseiten den letzten Reise-Deal für die Passaferien. Der starke Schekel, unter dem europäische Israelbesucher leiden, hat gute Seiten für reiselustige Israelis. Die Tickets nach Europa und Amerika werden immer billiger.

Jüdische Gemeinden machen sich Gedanken darüber, was es bedeutet, fliehen zu müssen. In Amerika lädt man Flüchtlinge zum Sedermahl ein, vor allem und demonstrativ solche aus arabischen Ländern. In Israel wird darüber berichtet, nachgedacht und diskutiert.

Vor der Churva-Synagoge im neuen jüdischen Viertel der Jerusalemer Altstadt, schlachteten orthodoxe Juden in diesem Jahr zum ersten Mal ein Passalamm. Die Aktivisten selbst waren enttäuscht, dass sich nur wenige Hundert Menschen für das Ereignis begeistern ließen. Aber sie hoffen: „Bald werden wir wieder auf dem Tempelberg Opfer bringen können.“

Mit den besten Wünschen für das Auferstehungsfest grüßt Sie herzlich vom Ort der Auferstehung,

Johannes Gerloff

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